Satire: Der Diktatoren-Blues und Schröder-Blues Number 12

Ausschnitt aus dem Satire-Buch:

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Ausschnitt aus dem Satire-Buch:

Der Rommel-Tag, keine englische Musik und verlorenes Land

Adolf Willwoll war wutschnaubend im „Strammen Max“ erschienen. Er hatte einen Wodka bestellt und in der Musikbox den Song gedrückt „The winner takes it all“. Er werde seinen Nachbar Winfried fertig machen, hatte er verkündet. Er werde den Fall „Nachbar Winfried rasselt mit dem Säbel“ in der Radiosendung von „Russland heute“ zur Diskussion stellen und dann sei der fällig. Er habe zu dieser Redaktion hervorragende und enge Kontakte. Er werde das Grundstück Winfrieds vielleicht heute noch übernehmen. Die Zeit für eine Landübernahme sei gekommen.

Kneipenchef Erich, von allen respektvoll „Rommel“ genannt, hatte die Augenbrauen hochgezogen. Er trug heute einen Wüsten-Tarnanzug mit schwarzer Krawatte. Heute sei ein Tag nationaler Ehre und Erinnerung, hatte er erklärt. Laut Rommel-Tagebuch aus dem Jahre 1942 befinde sich seine Einheit nun jahreszeitlich in Nord-Afrika. Man rüste sich zur Schlacht gegen die Briten in El Alamein. Der englische Whisky Montgomery und andere Getränke von dieser Insel, seien heute nicht erhältlich, man sei schließlich von britischen General Montgomery besiegt worden. Englische Musik werde heute auch nicht gespielt. Und Wodka werde auch nicht ausgeschenkt. Er sei heute nicht in der Stimmung, Getränke der Sieger über das deutsche Volk zu verkaufen. Deutschland habe schließlich eine Menge Land verloren. Er könne aber allen einen ehrlichen deutschen Schnaps anbieten.

Den Winfried solle man in Ruhe lassen. Der Winni, wie er ihn nenne, sei ein verdienter Kamerad und wie er Obergefreiter der Reserve. Eine Stütze der deutschen Wehrmacht sozusagen oder was davon geblieben sei.

Adolf Willwoll und Volk ohne Land

Adolf Willwoll hatte Erwin, Spitzname Wüstenfuchs, trotzig angesehen. Er werde seinen Nachbarn, den Winni, diesen Querulanten, trotzdem umlegen, wenn der ihn weiterhin bedrohe. Er habe diesem vor geraumer Zeit ein Stück von dessen Grundstück wegnehmen müssen, weil seine Kinder dort seit Jahren spielten und er einfach mehr Platz für seinen Gemüsegarten gebraucht habe. Nun müsse er eine zusätzliche Garage auf dessen Grundstück bauen. Seine Frau Eva habe sich ein neues Auto gekauft, das könne man unmöglich am Straßenrand abstellen. Außerdem parke er seinen Wohnwagen seit Jahren bei Winni auf dem Grundstück. Das sei inzwischen so was wie Gewohnheitsrecht. Und sein Schäferhund, der Rudolf, verrichte auf Winnis Grundstück seit langem sein Geschäft. Das nenne man gute Nachbarschaft und Tierliebe. Das sei sein gutes Recht.

Die Situation hieße Volk ohne Raum und sei historisch bekannt. Das Deutsche Reich habe sich früher in Richtung Osten ausgeweitet, als der Lebensraum hier zu eng geworden sei. Er dehne sich nur ein klein wenig aus. Jetzt aber drehe der Winni durch. Der erdreiste sich, ihn anzuzeigen.

Adolf Willwoll und das Recht des Stärkeren

Der Winni wiegle die Nachbarn gegen ihn auf und sei dem Bürgerschutz-Verein „Recht, Respekt und Ordnung“ beigetreten. Den habe man wegen der vielen Einbrüche im Viertel gegründet. Man laufe dort Nachts Patrouille. Jetzt habe Winni einen elektrischen Zaun an der Grundstücksgrenze aufgebaut. Sein Schäferhund, der Rudolf, habe sich bereits einen Schlag geholt und weigere sich nun, draußen zu pinkeln.

Der Winni wisse doch genau, dass er, der Adolf boxen könne, als Jäger über Waffen aller Art in seinem Hause verfüge und einen treuen, deutschen Schäferhund an seiner Seite habe. Der Winni-Blödmann wolle einfach nicht einsehen, dass es in diesem Staate Starke und Stärkere gebe, das seien Natur-Rechtsvorstellungen mit Tradition.

Jetzt rassle der Winni mit dem Säbel der Justiz, nähme sich ganz furchtbar wichtig. Das sei so lächerlich, wie anmaßend und unnötig. Er, der Adolf, habe seine Jagd-Gewehre in Stellung gebracht und auch das Maschinengewehr aus den Kneipenbeständen des „Strammen Maxes“. Er habe schon einige Schießübungen zu Hause veranstaltet. Lange lasse er sich nicht mehr von Winni provozieren, dann werde er dessen Grundstück übernehmen. Er habe das Rechts des Stärkeren auf seiner Seite.

Wenn der Nachbar provoziert , „Heim ins Reich“ und Einfluß-Sphäre

Der Braune Bruno, der an diesem Abend auch im „Strammen Max“ war, hatte eine Runde Schnaps ausgetan und bedächtig den Kopf geschüttelt. Das freche Verhalten von Winni erinnere ihn stark an die Geschichte, die sich die Ukraine zur Zeit leiste. Es sei immer tragisch, wenn sich Nachbarn, wie die Ukraine zum Beispiel, bewusst dumm stellten, ohne Ende provozierten und eskalierten. Wenn ein Nachbar, wie Adolf, sich dann bis an die Zähne bewaffne und in voller Kriegsmontur am Zaune auf und ab marschiere, dürfe man sich nicht beschweren. Vielleicht möge es der Nachbar ja militärisch, manche mache das an. Das sei gut für die Hormone und stärke die Partnerschaft.

Und wenn ein Nachbar einem schon mal ein Stück vom Grundstück aus guten Gründen habe wegnehmen müssen, dann müsse man nicht nach der Polizei rufen oder sich bewaffnen wollen. Man müsse nicht mit dem Säbel rasseln und große Worte spucken. Der große Staatsmann aus Hannover, der mit dem Goldkettchen und seiner schicken Frau aus Thailand oder sonst wo her, habe völlig recht.

Man könne dem Nachbarn ja mal ganz einfach glauben, dass er nichts Böses wolle. Der Nachbar wolle vielleicht nur Sicherheit und fühle sich gefährdet, wenn man in seiner  Nachbarschaft eine Sicherheits-Truppe organisiere oder der beitrete. Vielleicht solle man sich als Nachbar auch mal fragen, ob man sich in der Einfluss- Sphäre seines Nachbarn befinde. Da sei mancher Nachbar doch sehr empfindlich.

Der Braune Bruno hatte mit der Faust auf die Theke gehauen. Nicht nur der Adolf reagiere in dieser Sache gereizt, auch der Wladimir Putin sei genervt von den Nachbarn in der Ukraine. Dort seien ganz viele Russen zu Hause, dort sprächen ganz viele Menschen russisch und wünschten sich nichts sehnlicher als wieder Teil des russischen Reiches zu werden. Die Parole hieße „Heim ins Reich“. Auch er würde am liebsten Schlesien und Pommern, das Sudetenland und auch das Elsass heim ins Reich führen. Auch viele Wolga-Deutsche wollten zurück an ihren Fluss. Nirgends schmecke die Kartoffel besser als dort und der daraus gewonnene Wodka.

Der Braune Bruno hatte sich noch einen Schnaps genehmigt. Die Ukraine befände sich außerdem in der Einfluss-Sphäre Russlands. Russland habe der Ukraine bereits ein Stück Land weggenommen und die Krim ins Russische Reich heimgeführt. Das gebe Russland schon ein beträchtliches Mitsprache-Recht an der Rest-Ukraine. Die einzigen, die das nicht kapieren wollten, sei die Regierung in der Ukraine. Auch die Chinesen könnten diese vaterländischen Gedanken nachvollziehen. Diese trauerten auch schon lange über den Verlust der abtrünnigen Insel Formosa. Sie hätten Putin für seinen Deeskalationskurs und seine guten Nerven gelobt. Die Ukrainer stellen sich einfach dumm. Damit dürften sie nicht durchkommen.

Legenden-Hits im Angebot und ein Schröder-Hit

Der Braune Bruno hatte Adolf erklärt, er solle sich weder von Winni oder sonst wem ein schlechtes Gewissen einreden lassen. Die Geschichtsschreibung einer Landes oder einer Nachbarschaft schaue am Ende immer auf die Land- oder Stadtkarte.

Habe sich hier wer vergrößert, sei er ein Held und Gewinner. Niemand frage heute Cäsar, ob sein Gallien-Krieg völkerrechtlich in Ordnung gewesen sei. Und Napoleon sei heute in Frankreich ein Held mit Staats-Grab mitten in Paris. Keiner frage nach der Rechtsgrundlage seiner Feldzüge gegen Russland. Auch von Putin habe er da nichts gehört. Für Feldzüge brauche man nur eine passende Legende. Die fände sich immer.

Der Wilde Westen und die Indianer oder die Ukraine und Russland oder die deutsche Geschichte seien gute Beispiele für Top-Legenden. Im Legenden-Angebot seien zehn Storys sehr erfolgreich, die man auch beliebig kombinieren könne. Legenden gebe es in allen Sprachen, manche würden sie auch sportlich Storys nennen. Da gebe es die Legenden: 1.Volk/Menschen ohne Raum,  2. Es war immer unser Land, 3. Land der Väter. Beliebt und erfolgreich seien auch die Stories: 4. Unser Kulturraum, 5. Wir wurden gerufen, 6. Verteidigung der Kultur, 7. Friedensmission, 8. Missionierung, 9. Wir wurden angegriffen, 10. Der Präventionsschlag, hätten wir nicht zuerst angegriffen, hätten es die anderen getan.

Die Geschichte der USA in den Wild-West-Tagen sei eine Komposition aus den Legenden: 1, 7 und 8. Die Siedler, ein Volk ohne Land, hätten im Rahmen einer Friedensmission den Rothäuten Glauben, Saloon-Klaviere, Whisky und noch viele andere Kulturgüter gebracht. Man habe aus diesen Legenden Songs und Western gemacht. Er persönlich sei ein großer Bonanza-Fan.

Adolf Hitler habe für die erstrebte Welt-Herrschaft die Legenden 1,4,5,6 und 8 gewählt. Die Legende laute: Die deutsche Heimat, Hort des arischen Volkes, der besten Rasse der Welt, sei zu eng geworden. Das deutsche Volk habe mehr Raum  benötigt für den Anbau deutscher Kartoffelsorten. Das Missionierungs-Programm „1000 jähriges Reich“ mit den Schwerpunkten, alleinige Herrschaft der arischen Rasse und des deutschen Schäferhundes, habe angestanden. Und man sei von überall her gerufen worden.

Der Braune Bruno hatte den rechten Arm gehoben und gebrüllt, denn heute gehöre ihm Deutschland und morgen die ganze Welt. Dann hatte sein Handy geklingelt und seine Frau hatte ihn daran erinnert, noch beim ALDI einzukaufen. Dort sei die „asiatische Woche“ und sie möge doch so gerne „Hähnchen süß-sauer“. Das werde auf dem Heimweg erledigt, hatte er ihr versichert. Dann hatte er weitergemacht in Sachen: Stammtisch und Weltpolitik.

Macht und Gewehre

Voraussetzung für das Gelingen einer Legende sei die Macht. Die politische Macht komme aus dem Laufe eines Gewehres, habe bereits der chinesische Revolutionär Mao Tse-Tung gewusst. Putin habe auf der Krim erst grün gekleidete Bewaffnete mit Gewehren eingesetzt und erst später erklärt, das seien russische Soldaten gewesen. Zur Krim-Besetzung im Jahre 2014 seien die Legenden aktiviert worden: 3 „Land der Väter“, 5 „Wir wurden gerufen“ und 6 „Unser Kulturraum“.

Im neuerlichen Ukraine-Konflikt im Jahre 2022 habe Putin eine ganz alte Legende wieder aufleben lassen, die Story von den Einfluss-Sphären, der „Sphären-Blues“.  Demnach, so die Legende Nr. 11, durften Großmächte wie die USA, Russland und China ihren Nachbarn in die Politik reinreden. Das sei laut UN-Vertrag seit 1945 verboten. Jeder Staat sei souverän, stehe im Vertag, und alle hätten das unterschrieben.

Die Amis hätten das Ding mit der Einfluß-Sphäre im Nachbarland Kuba auch versucht, seien aber letztlich gescheitert. Der Putin habe manchmal eine nostalgische Denke und meine, er als militärische Großmacht dürfe das auch. Seine Körpergröße spiele hier keine Rolle. Auch bei Napoleon oder Hitler oder Mussolini gebe sich keiner kleinlich. Hier vom Terrier-Faktor zu reden, sei rassistisch. Das ändere nichts an der Tatsache, dass die Deutschen am meisten von Autos und Fußball verstünden.

Gerd Schröder und die „Säbelrassel-Legende“, der Imperatoren-Blues Number Twelve (12)

Neu sei die „Säbelrassel-Legende“ von Gerhard Schröder, der Imperatoren-Blues Number Twelve (12). Schröder habe erklärt, die Ukraine rassle ganz furchtbar mit dem Säbel. Der Braune Bruno erklärte, niemand wolle in der Ukraine einen Krieg. Schröder habe an dieser Stelle leicht sächsisch geklungen, ein wenig wie der Walter Ulbricht damals. Niemand wolle in Berlin eine Mauer bauen, habe der beim Mauerbau im Jahre 1961 erklärt. Schließlich habe die erbaute Mauer dann „Anti-imperialistischer Schutzwall“ geheißen. Das sei ganz was anderes, hatte der Braune Bruno erklärt. Man dürfe sein Land schützen und wenn nötig auch gegen Abwanderung von innen.

Die Legende Nr. 12, die Säbelrassel-Legende, sei eine echte Superlegende. Wahrscheinlich ein Freundschaftsdienst für den Wladimir. So sei das gute Sitte unter Freunden. Da solle sich keiner was bei denken. Der Waldimir habe dem Gerd ja auch schon Gutes zukommen lassen.

Alles gut?

Adolf Willwoll hatte dem Braunen Bruno anerkennend auf die Schulter geklopft. Das seien super Ideen. Jetzt müsse die Lage noch mit den Redakteuren des  Senders „Russland heute“ besprochen werden. Die funkten zur Zeit heimlich aus seinem Kartoffel Keller in Berlin. Sie hätten die Sende Lizenz verloren, das werde sich aber klären. Hunderttausende Wolgadeutsche Kleingärtner hätten sich angeboten, aus ihren Lauben weiterzufunken. Außerdem müsse er noch schnell zum ALDI. Er habe gesehen, dass auch tiefgefrorener „Fish und Chips“ im Angebot seien und als Superangebot der Woche der Wodka „Gorbatschow“. Er müsse sich beeilen, sonst sei da alles weg und er kriege zu Hause den fetten Ärger.

Erwin hatte etwas verwirrt in die Runde geschaut und gefragt, ob das nun Fraternisierung mit dem englischen und russischen Feinde sei oder was. Ob er sie alle standrechtlich nach Kriegsrecht erschießen müsse? Auch einige weitere ehrliche deutsche Schnäpse hatten keine Klarheit gebracht. Erwin hatte sich schließlich seinen Stahlhelm aufgesetzt und war in den Vorrats-keller seiner Kneipe „Strammer Max“ abgetaucht.