Kopftuchfrauen und Zitronen-Auto in Münster (eine anti-rassistische Satire)
Ausschnitt aus der Satire-Reihe: Die Trutz und Faby Story
Er wolle sein Kinderhaus zurück, hatte Trutz am Tresen seines Kleingarten-Vereins, dem „Germanen Glück“ in Münster erklärt. Die Umvolkung in Deutschland habe ihn nun 10.000 Euro Strafe und ein Jahr Fahrverbot gekostet. Sein Kinderhaus, in das er vor 30 Jahren mit seiner Partnerin Faby gezogen sei, hieße heute noch Kinderhaus, sei ein Stadtteil Münsters, und zähle weiterhin rund 17.000 Einwohner. Aber es höre sich heute anders an. Früher habe man aller Orten westfälisch geredet. „So mak wi dat“, sei die häufigste Floskel damals gewesen und der Teint der Menschen im Viertel sei im Schnitt deutlich heller gewesen als heute. Heute, dreißig Jahren später, höre er im Viertel am häufigsten das Wort „Allah“. Und der Teint im Viertel sei im Schnitt dunkler geworden. „So isses“, hatte Dieter vom Vorstand des „Germanen Glücks“, der eigentlich aus dem Ruhrgebiet stammte, zugestimmt. Er habe im Internet gelesen, tatsächlich seien viele Menschen in Münster keine Bio-Germanen, sondern Zugereiste von woanders her, wie man „Germanen Glück“ sage. Im Internet habe er gelesen, dass 30 Prozent der Menschen in Kinderhaus einen Migrationshintergrund hätten. Es gäbe in Kinderhaus eine große und sichtbare muslimische Bevölkerung.
Trutz hatte am Tresen erklärt, genau deshalb werde er jetzt vom Vater Staat zur Kasse gebeten und dürfe ein Jahr lang seine geliebte Zitrone nicht fahren. Er gebe zu, dass er mit seiner Zitrone, wie er sein französisches Auto der Marke Citroen liebevoll nenne, einen kleinen Unfall gebaut habe. Er sei mit flotten 70 km eine Hauptstraße im Viertel hinunter gedüst, als vor ihm ein Opel mit verhängten Seitenfenstern bei Gelb an der Kreuzung unerwartet gebremst habe. Er fahre sportlich und von Tempo 50 oder 30 in der Stadt halte er nichts. Er könne gut fahren und sei auch mit über siebzig Jahren immer noch ein flotter Hirsch, sage seine Faby immer.
Was war geschehen? Trutz war in seinem Viertel einem Uralt-Opel von hinten aufgefahren und voll aufgebracht gewesen. “Ich glaub mein Hamster bohnert“, hatte er den Fahrer des Opels angebrüllt und aufgeregt auf die Stoßstange der Zitrone gezeigt, die nun schräg am Auto hing. Der Antik-Opel Fahrer hatte ihn komplett ignoriert und eine der Hintertüren des Opels aufgerissen. „Bei Allah“, hatte er gejammert und einer älteren Frau mit Kopftuch aus dem Auto geholfen. „Die Ampel war voll gelb“, hatte Trutz den Opel Fahrer angebrüllt.
Der hatte gar nicht reagiert, sondern hatte noch zwei weiteren verschleierten Frauen von der Rückbank aus dem Auto geholfen. Die hatten sich die Köpfe gehalten. „Bei Allah“, hatte der Opel Fahrer weiter gejammert und hatte mit dem Handy einen Krankenwagen gerufen, während Trutz wieder in seine Zitrone gestiegen war. Er hatte versucht, den Opel zu umrunden und über die grüne Ampel davon zu fahren. Er hatte es eilig, er wurde im Kleingarten erwartet und war bereits zu spät. Eine aufgeregte Menge von Zuschauern hatte seine Abfahrt verhindert. Sie waren trotz seines Zitronen-Hupkonzertes nicht zur Seite gewichen. Eine Polizeistreife hatte Trutz, der sich schon ein paar Meter mit seiner französischen Zitrone in Richtung Kreuzung vorgearbeitet hatte, unsanft aus dem Auto gezogen.
Er habe schnell zum „Germanen Glück“ gemusst, hatte Trutz in der Gerichtsverhandlung erklärt. Er sei dort verabredet gewesen und Unpünktlichkeit werde dort gar nicht gerne gesehen. Deutsche Tugenden würden dort geehrt. Eine Kopftuch-Bande habe versucht, ihn an der Weiterfahrt zu hindern, das sei Nötigung. Seine Faby hatte den Nachbarn später erklärt, diese Kopftuch-Bande habe versucht, ihren Trutz an der Kreuzung zu kidnappen. Vor Gericht habe diese Allah-Bande zusammengehalten und der Richter habe auch keinen deutschen Namen gehabt. Ihrem Trutz sei wegen des angeblichen Versuchs der Fahrerflucht für ein Jahr der Führerschein entzogen worden und er müsse 10.000 Euro Strafe zahlen. Zusätzlich müsse er an die drei Kopftuch-Mädels 5.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, plus die Anwalts- und Gerichtskosten. Und der Richter habe ihn ermahnt, ausländische Mitbürger mit Respekt zu behandeln.
Trutz hatte im Vereinshaus der Germanen erklärt, er wolle sein Kinderhaus von früher zurück. Die zugereisten Neu-Münsteraner hätten bei ihm verschissen. Die sollten wieder in ihre Heimat zurückkehren. Seinetwegen könne man das auch Remigration nennen. Hauptsache sei, alle begriffen, dass Gelb an der Ampel nicht Stopp heiße, sondern „go go“, wie der Ami sage oder „zack- zack“, wie der Preuße oder “ jetzt mal flotti“, wie der Bio-Deutsche sage. Ein Skandal sei außerdem, dass der Pastor des Viertels ihm einen Brief geschrieben habe. Er solle zur Beichte kommen, sein rassistisches Verhalten sei nicht akzeptabel.