Satire: Der Grünen-Wahlkampfstand und Germanen-Wettergott Thor

Ausschnitt aus der Satire-Sammlung: Neues aus dem „Strammen Max“

Der Grünen-Wahlkampfstand und Germanen-Wettergott Thor

Der Grünen-Stand vor dem „Hanf Nest“

Der Braune Bruno und Ferdinand Friedrich Fittner, von Freund und Feind „Fiffi“ genannt, hatten sich am Samstagmorgen zum Frühschoppen vor dem „Strammen Max“ verabredet. Sie hatten geplant, das Wochenende mit einem oder zwei guten Herrengedecks zu starten. Schnaps und Bier seien ein guter Treibstoff für ein entspanntes Wochenende, da waren sich beide einig. Doch die gute Laune war ihnen schnell vergangen.

Vor der Kneipe gegenüber, dem „Hanf Nest“, war ein Stand aufgebaut worden. Über einen Camping-Tisch war ein grünes Tuch gespannt worden, ein Sonnenschirm mit einer Sonnenblume drauf deckte beides ab. Menschen, meist jüngeren Alters, standen um den Tisch herum und hielten kleine Plastik-Windränder in grün in den Händen und Info-Material. Einige trugen grüne T-Shirts oder grüne Regenjacken, alle trugen einen grünen Mundschutz mit einer Sonnenblume drauf. Auch Tim war erschienen. Er trug eine braune Lederjacke über seinem Annalena T-Shirt. Er hatte um ihr Bild mit Filzstift ein rotes Herz gemalt und drunter geschrieben, „for ever Annalena“. Er hatte einen Schäferhund an seiner Seite, dessen Haare auch lang und grau waren.

„Scheiß Ökos“, hatte Bruno durch die Zähne Fiffi zugezischt. Auf einem grünen Banner hinter dem Tisch stand, „Grün wählen, der Natur zu Liebe“. Auf einem Banner daneben stand: „Abgase reduzieren, Wasserfluten verhindern, das Klima retten“.  Grünen Wahlkämpfer Tim hatte Bruno und Fiffi auf der anderen Straßenseite bemerkt und war mit ein paar Handzetteln und seinem Schäferhund auf dem Weg zu ihnen gewesen. „Lass uns reingehen“, hatte der Braune Bruno gedrängelt, „was wissen die schon vom Wetter“. Er hatte Angst vor Hunden.

Der Germanen-Wettergott Thor und Wasserfluten

Drinnen hatten die beiden erst einmal ein Herrendeck getrunken. Nachdem sie Schnaps mit Bier hinuntergespült hatten, hatte der Braune Bruno lange den Kopf geschüttelt und dann erklärt, jetzt würden sich die vaterlandslosen Gesellen auch noch an der Germanen-Natur versündigen und vom Wetter hätten die sowieso keine Ahnung. Denen fehle die germanische Bildung.

Er habe vor kurzem den Bücherschrank seines Urgroßvaters durchwühlt, den er geerbt habe. Dabei habe er das Buch „Götter und Germanen“ aus dem Jahre 1940 entdeckt . Wenn er das Buch mit dem seltsamen Schriftbild richtig verstanden habe, dann sei der Wettergott Thor zuständig für Blitz, Donner und Regen. Wenn der Wettergott Thor seinen Hammer im Kampf werfe, wo genau habe er nicht verstanden, dann donnere, blitze und regne es. Der  Thor rege sich ziemlich schnell auf und sei eigentlich unberechenbar.

Das könne man alles im Buch „Götter und Germanen“ nachlesen. Das sei die Bibel jedes germanischen Haushaltes, Wissen der Ahnen und ewige germanische Weisheit.  Die enormen Wassermengen und Überflutungen der letzten Zeit zeugten vom Zorne Thors auf die vom Wissen verblendeten Grünen und andere. Vermutlich wolle Thor die ganze Bande ersäufen.

Die Wasserfluten seien ein Götter-Fluch, mit dem Schmelzen der Pole habe das nichts zu tun. Und anstatt sich germanischem Brauchtum anzuschließen, arisch zu denken und kleine Brötchen zu backen, versuchten die Grünen, dem Wettergott Thor ins Handwerk zu pfuschen. Mit ihrer Klima-Politik versuchten sie, germanische Götter zu lenken, anstatt ihnen zu huldigen und zu versuchen, sie gnädig zu stimmen. Thor und seine germanischen Götterfreunde würden sie alle vernichten, soviel sei sicher.                                                           

Kann man mit Sauf-Gelagen germanische Götter besänftigen?

Fiffi hatte anerkennend genickt und vom Braunen Bruno wissen wollen, wie man den Germanen-Gott Thor denn besänftigen könne. Ob man zu seinen Ehren Saufgelage veranstalten könne. Man diene germanischen Göttern so auch, hatte Bruno erklärt, aber wichtig sei es, den Göttern Opfer zu bringen. Man müsse den Göttern das Wertvollste opfern, was man habe. Die Germanen hätten früher zu Ehren Thors ganze Schiffe im Meer versenkt oder ihre Rüstungen im Moor. Manche hätten sogar ihre Frauen im Moor versenkt.

Der traurige Winfried, der seit Jahren einen Scheidungskrieg gegen seine Frau führte, hatte gefragt, ob das legal sei und auch für Ex-Frauen gelte. Natürlich gelte das auch für Ex-Frauen, hatte Bruno erklärt, die germanischen Götter seien Männersache und Germanen-Recht sei irgendeinem Papierzeug von Natur her überlegen. Das versenkte Gut müsse nur einen Wert haben, dann nähmen die Götter es als Opfer an. Dabei hatte er einen bedeutsamen Blick auf Fiffis Siegelring geworfen.

Fiffi und Adolf Willwoll verweigern germanischen Gehorsam

Er werde seinen Siegelring nicht im Moor versenken, hatte Fiffi fassungslos und wütend erklärt. Aus Bruno spreche ja der blanke Neid. So stelle er sich Germanentum nicht vor. Er frage sich, was Kneipen-Chef Erwin wohl zu Brunos Spinnereien sagen werde. Der hatte anregt, zu Ehren der Götter noch ein Herrengedeck zu trinken.

Adolf Willwoll hatte dem Gespräch gelauscht und erklärt, er werde den Göttern ganz bestimmt nicht seine Frau Eva opfern. Die sei sein wichtigster Besitz und ihr gehöre seine ganze Liebe. Bruno sei ja nur neidisch, weil er keine Frau habe. Er solle seinen Germanen-Quatsch doch in seiner Single-Runde erzählen. Und vielleicht schicke ihm der Wettergott Thor ja eine Germanin auf einer Welle.

Der scharfe Rudi und die böse Postkarte

Dann war der scharfe Rudi die Treppe zur Keller-Kneipe „Strammer Max“ hinuntergestolpert und hatte sich seinen Hintern gerieben. „Scheiß Öko-Zicken“, hatte er geflucht. Nach einem Herrengedeck hatte er erklärt, er habe am Stand gegenüber eine scharfe blonde Braut gesehen, die er vom Internet-Flirtportal Tinder her kenne. Er sei zu ihr rübergegangen und habe dort eine Macho-Pirouette gedreht. Er habe sich vor ihr am Stand um seine eigene Achse gedreht und dabei seine blondierten, kurzgeschorenen Haare und seinen durchtrainierten Po zur Geltung gebracht.

Die habe so getan, als kenne sie ihn nicht. Eine von den grünen Frauen habe ihn gefragt, was das 88 Tattoo in seinem Nacken zu bedeuten habe und ob er einer vom „Strammen Max“ sei, dieser komischen Männerkneipe von gegenüber. Er habe erklärt, der „Stramme Max“ sei ein Treffpunkt patriotischer Männer und die 88 stehe für zweimal den achten Buchstaben im Alphabet. Ob das „Heil Heini“, bedeuten solle, habe ihn eine Grüne Frau grinsend gefragt und ihm eine Postkarte in die Hand gedrückt mit der Aufschrift: „Kein Sex mit Nazis“. Dann hätten ihn alle Grüne Frauen angewidert angeschaut.

Er habe den Frauen erklärt, sie sähen aus, als seien sie sexuell unterversorgt. Da könne man mit arischer Männer-Kraft was gegen tun. Anstatt dankbar zu sein, hätten ihm zwei Frauen in den Hintern getreten und eine habe alles mit dem Handy gefilmt. Er habe den strategischen Rückzug dem Kampfe vorgezogen.

Kneipenbesitzer Erwin und Chef der Männerrunde hatte den großen Riegel vor die Tür gelegt und vorsichtig aus dem Fenster geschaut. Die seien noch alle da, hatte er erklärt und alle am Stand redeten aufgeregt miteinander. Man sei jetzt wohl von der rot-grünen Bande umzingelt und belagert, hatte er mit fester Stimme erklärt.  

Aber er habe Vorräte gespeichert, hatte Erwin der verängstigten Männerrunde erklärt und bei Herrengedeck und Bratkartoffeln werde man die Belagerung wohl überstehen. Um 18 Uhr würden normalerweise die Stände beendet sein. Das wisse er, weil er für eine patriotische Partei in der nächsten Woche auch einen Stand vor dem „Strammen Max“ beantragt habe.

Der Germanen-Stand vor dem „Strammen Max“ und das Versprechen des Wettergottes Thor

Die Männerrunde im „Strammen Max“ hatte dann beschlossen, für diese patriotische Aktion einen Eichentisch vor der Kneipe aufzubauen. Sie hatten auf Bierdeckeln schmissige Parolen gesammelt, die dann auf Banner gemalt werden sollten und sich Gedanken gemacht über die Fahnen, die im Hintergrund wehen sollten.

Einen Sonnenschirm oder Regenschirm brauche man nicht, hatte der Braune Bruno erklärt. Er werde das Ganze mit dem germanischen Wettergott Thor regeln. Er werde für diesen Tag Kaiser-Geburtstagswetter bestellen und ganz Berlin werde an diesem Tag im Sonnenschein unter blauem Himmel strahlen. Nur das „Hanf Nest“ gegenüber werde eine satte Regenwolke abkriegen. Das garantiere er mit seinem feierlichen Germanen-Ehrenwort.