Satire: Ehekrise bei Rutz und Rabi Krakowski und die Unterhose im Birnenbaum
Satire aus dem Satire-Block: Paatrioten Idiooten
Satire aus der Satire-Reihe: Die Rutz und Faby Story
Rabi hatte beim Frühstück mit Rutz den Ehering vom Finger gestreift und mit vielsagendem Blick auf den Tisch gelegt. Rutz hatte sich vor Schrecken verschluckt und den Kaffee über den Tisch geprustet. Dabei hatte kurz zuvor alles noch nach Harmonie ausgesehen. Rutz und Rabi hatten die Blessuren des Angriffs der dicken Fascho-Rudis überwunden. Rabi hatte sich von Kuki-Rudis Schlägen an den Kopf und der schweren Gehirnerschütterung erholt. Sie war drei Tage im Krankenhaus gewesen. Rutz hatte den Faustschlag von Dudi-Rudi auf seine Schulter fast verwunden. Das gebrochene Schlüsselbein schmerzte immer noch. Er hatte nicht im Krankenhaus bleiben müssen. Aber der hatte drei Wochen lang seinen Arm in einer Schulter Schlinge tragen müssen. Sie hatten trotz Allem angenehme Tage im Garten verbracht und mit Freunden im Pool manches Gläschen Sekt getrunken.
Die beiden Rudis waren wegen schwerer Körperverletzung angezeigt worden. Kuki-Rudi hatte seine Parzelle im Kleingarten Verein „Germanen Glück“ verloren, der Vorstand hatte ihm fristlos gekündigt. Presse und Politik hatten dem Vorstand des „Germanen Glücks“ keinen Spielraum gelassen. Sogar von der Schließung des Gartens war die Rede gewesen. Die Stadt hatte eine Prüfung des Kleingartenvereins angekündigt. Allein der Namen „Germanen Glück“ entspreche nicht den Vorstellungen der Stadt von Kleingarten-Kultur und interkultureller Kommunikation. Immerhin hätten mehr als ein Drittel der Kleingärtner Münsters eine Migrationsgeschichte. Außerdem zeige die Nutzung der Parzellen nicht den erforderlichen gärtnerischen Einsatz. Der Kleingartenverein sehe zum Teil aus wie ein Freizeitpark.
Dudi-Rudi hatte ein lebenslanges Hausverbot erhalten, durfte das „Germanen-Glück“ nicht mehr betreten und war nach Berlin abgedampft. Kuki-Rudi hatte eine Woche Zeit bekommen, seine Sachen aus dem Garten und der Laube abzuholen. Was dann noch in Garten und Laube sei, werde auf seine Kosten auf die Mülldeponie gebracht und von der Kaution abgezogen, hatte ihm der Vorstand geschrieben. Kuki-Rudi hatte seinen Germanen-Freunden im Garten erklärt, Schuld an dem Angriff seien die Krakowskis selber. Wenn die beiden Krakowskis sich so bescheuerte Sachen anzögen, müssten sie sich nicht wundern, wenn man sie für Ausländer hielte und so behandle. Ausländer müssten wieder dahin zurück, wo sie hergekommen seien. Die Krakowskis störten die Ordnung des Gartens, nicht Dudi-Rudi und er. Ein ordentlicher Germane renne nicht im Kaftan herum.
Sein Cousin und er würden diese Entscheidung der Deutschland GmbH nicht anerkennen. Kuki-Rudi hatte seine Parzelle zum „Kuki- Land“ erklärt und als Flagge eine Unterhose in den Birnenbaum gehängt. Er hatte erklärt, er erkenne den Vorstand des Gartens nicht an. Er fordere, stattdessen eine Entscheidung eines Deutschen Volks-Gerichtshofes einzuholen. Die Krakowskis gehörten angeklagt und müssten Buße tun. Er hatte auf seiner Parzelle auch die Reichsbürger Fahne gehisst und gedroht, notfalls mit Gewalt sein freies Land, das „Kuki-Land“, zu verteidigen.
Rutz war über diesen Verlauf schockiert gewesen. Einige Garten Freunde hatten ihm erklärt, er sei schuld, wenn sie nun ihre Swimming-Pools abbauen müssten und die teuren Grill Stationen. Er solle das wieder in Ordnung bringen. Sonst würden sie ihm die Freundschaft kündigen. Einer hatte gedroht, ihm den „roten Hahn aufs Dach zu setzen“ und ihn, nach alter Germanen Sitte, zu teeren und zu federn. Rutz war daraufhin beim Germanen Stammtisch im Vereinshaus erschienen und hatte erklärt, er wolle Teil der Garten-Gemeinschaft bleiben. Den Germanen gehöre der Garten und hoffentlich bald die ganze Welt. Mit Germanen Helm auf dem Kopf und zerknirschter Miene hatte er erklärt, er sei bereit, die Sommerkleidung der beiden aus Ägypten in den Müllcontainer vor seinem Mietsblock in Kinderhaus zu werfen oder vor dem Vereinshaus auf einem Germanen Scheiterhaufen zu verbrennen. Er bäte darum, wieder in die Volksgemeinschaft aufgenommen zu werden. Er sei kein Volksverräter. Auch seine Frau Rabi flehe um Gnade. Rutz hatte Rabi erklärt, er tue das Alles aus Liebe zu ihr und zum Garten. Ganz Unrecht habe Kuki nicht, aber der müsse seine Augen aufmachen, bevor er los rocke. Ein Deutscher könne nicht einfach so, einen anderen Deutschen umhauen. Und Kuki-Rudi habe Recht, es gebe in Münster zu viele Ausländer. Mal einen Urlaub in Ägypten zu machen und sich anzupassen, sei in Ordnung. Aber auf Dauer habe jeder doch seine Heimat. Man dürfe auch keinen anderen provozieren und im Germanen Garten wie ein Muslim herumzulaufen, sei daneben.
Ehefrau Rabi hatte ihn fassungslos angestarrt und gejammert, die Sachen seien schick und teuer gewesen und die Sommer würden auch hier immer heißer. Darum sei ägyptischer Sommerschick auch hier sehr passend. Und ob er vergessen habe, dass ihn die Germanen Gang aus seinem Garten mit Pool ekeln wollte. Rutz hatte trotzig geguckt. Rabi hatte ihm erklärt, er solle aufhören, solchen Mist zu erzählen und schauen, dass er die Sachen wieder dem Container rauskriege, falls er sie schon entsorgt habe. Mit Feinwaschmittel gewaschen, seien die wahrscheinlich wie neu. Sie habe nichts gegen Ausländer. Die Mutter ihrer Fußpflegerin käme aus der Türkei, ihre Kosmetikerin käme aus Kroatien, die Familie des Postboten aus Griechenland. Die Hälfte aller Pfleger und Ärzte in Münsters Krankenhäusern seien Migranten, seien hier geboren und sprächen wahrscheinlich besser Deutsch als er. Was mit ihm los sei. Sie hätten zusammen eine gute Rente, ein gute Wohnung und einen Top-Garten in Münster am Kanal. Es gehe ihnen gut und niemand außer den depperten Rudis wolle ihnen ans Leder. Warum er, dessen Großeltern aus Polen eingewandert seien, jetzt zum Fascho-Freund mutiere, verstehe sie nicht.
Wenn er nicht sofort die Kurve kriege und aufhöre mit dem Germanen-Quatsch, werden sie sich von ihm trennen. Sie werde erst mal wieder nach Ägypten ins Ferienhotel zurückkehren und sich im Hotel ein günstiges Zimmer mieten. Sie habe ausgerechnet, dass das mit der Rente klappen könne. Und der Besitzer des Hotel-Shops habe ihr eine Stelle angeboten. Noch sei ihre Ehe zu retten und sie wolle dreißig Jahre Glück auch nicht leichtfertig aufgeben. Aber, sie wolle ihren alten Rutz wiederhaben und keinen zänkischen Fascho. Es liege an ihm, zur Vernunft zu kommen und ihre Liebe für wichtiger zu halten als Fascho- Saufkumpanen.