Satire: Hotte und die Anti-Rassismus-Wochen in Münster
Ausschnitt aus dem Satire-Buch: Hotte-Hoppe-Heiter
Die Multi-Kulti-Pflege im Hotte Haus
Hotte spürte den Frühling in der Luft und atmete tief ein. Er sah erstes Grün in Bäumen und Sträuchern und genoss den starken Fair-Trade Kaffee auf der Veranda hinter dem Haus. Er sah sich vor einer künstlerisch schweren Herausforderung. In Münster hatten die Kräfte des Fortschritts, zu denen Hotte sich zählte, Anti-Rassismus-Aktionswochen organisiert. Viele Veranstaltungen waren in 14 Tagen geplant, mit denen Hotte, von Beruf Hausvermieter in Münsters Hansa-Viertel, wenig anfangen konnte. Die Titel der Veranstaltungen führten bei ihm eher zu einem Achselzucken. So war das Thema: „Die Diskriminierung schwarzer Muslime im Islam“ überhaupt nicht seins. Er diskriminiere keine Muslime gleich welcher Hautfarbe, hatte er seiner Frau gesagt, solche Mieter habe er nicht. In seinem Bewerbungsformular für Mieter gab es beim Thema Konfession die zwei Kästchen: römisch-katholisch oder evangelisch. Das war schon ein mächtiger Fortschritt in der Hotte-Familie. Seine Eltern hatten noch jeden Kontakt mit Lutherböcken, wie der Vater Menschen evangelischen Glaubens genannt hatte, abgelehnt. Hotte hatte eine rein katholische Grundschule besucht. Die ersten Lutheraner hatte er auf dem Gymnasium kennengelernt. Er hatte die zunächst einmal sehr skeptisch betrachtet.
Seine Enkel hatten ihm erklärt, in ihrer Schule gebe es nun neben Weihnachten und Ostern auch noch das Zuckerfest der Muslime. Hotte hatte ihnen klargemacht, wenn sie die Häuser der Hotte-Familien einmal erben sollten, dann können sie den Traditions-Fragebogen ändern. Bis dahin käme ihm solches Volk nicht ins Haus. Er sei aber auf jeden Fall ein Multi-Kulti Münsteraner. Unter seinen Freunden gäbe es sogar Lutherböcke, sein Steuerberater zum Beispiel, sei evangelisch. Außerdem esse und trinke er gerne international. Aber mit den Programmpunkten Antiziganismus und antislawischer Rassismus im Anti-Rassismus-Aktionswochen-Programm könne er nichts anfangen. „Kein Anschluss unter dieser Nummer“, hatte er seiner Frau augenzwinkernd erklärt.
Die Reinheit des Zwergen-Gartens
In den Tagen zuvor hatte Hotte erst einmal ein gärtnerisches Problem lösen müssen. Der Garten war im Frühling dieses Jahres frei von Unkraut, weil Hotte ein extrem starkes Unkraut Vernichtungsmittel namens „Kill all“ auf und zwischen die Zwerge gestreut hatte. Das hatte er sich aus Holland besorgen lassen, weil es in Deutschland verboten war. Das Packungsetikett „Kill all“ hatte er mit dem Schild „Biologischer Dünger“ überklebt. Seine Enkel seien in der Kita zu Öko-Radikalinskis erzogen worden, hatte er geklagt. Seine Frau hatte später Vogelfutter auf den vergifteten Boden gestreut. Sie habe eben ein weiches Herz, hatte Hotte geseufzt.
Das Resultat von „Kill all“ hatte ihn überzeugt, es hatte zwischen den Zwergen kein organisches Leben mehr gegeben. Dafür aber lagen viele tote Vögel im Garten. Denen war das Vogelfutter offensichtlich nicht gut bekommen. Auch einige Ratten, die tote Vögel gefressen hatten, lagen tot umher. Am liebsten hätte Hotte die ganze Todesbande abgeflämmt, hatte er seiner Liebsten anvertraut. Aber der Brand-Geruch war entsetzlich, hatte ein erster Verbrenn-Versuch auf dem Grill gezeigt. Hotte hatte alles, was sich nicht regte und nicht nach Zwergen-Kultur aussah, in einen großen und geruchsfesten Plastiksack gestopft und in die große Mülltonne für Restmüll getan. Die fast volle Mülltonne hatte er in der Garage eingeschlossen. Die sollte erst am Abhol-Termin an der Straße stehen.
Multi-Kulti-Zwerge im Hotte Garten
Danach hatte Hotte sich wieder der künstlerischen Aufgabe gewidmet, seinem Beitrag zu den Anti-Rassismus-Wochen. Da müsse er dabei sein, hatte er seiner Frau erklärt. Er gehörte seit Jahren zur geistig weltoffenen Elite Münsters. Wer das nicht glaube, müsse sich nur seinen Zwergen-Garten anschauen. Seine Zwerge seien bunt, international und keine Spur rassistisch. Da gebe es zum Beispiel den Barack Obama Zwerg. Der Ton des Zwerges sei etwas zu dunkel geraten, habe seine Frau gemosert. Der Obama habe eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater. Seine Zwergen-Farbe müsse deshalb Cafe au lait sein. Sein Obama Zwerg habe eher eine Negerkuss-Farbe. Das sei Rassismus, hatte Hotte in die Küche gerufen. Man sage heute Schoko-Kuss zum Negerkuss. Im Übrigen sei er leicht rassistisch, hatte seine Frau zurück gerufen, er habe was gegen chinesisches Essen. Er esse eben kein gegrilltes Hunde- oder Katzenfutter, hatte Hotte trotzig erklärt. Die Chinesen täten das ins Essen, habe er von seinen Freunden aus dem Verein „Dein Zwerg und Du“ erfahren. Im Übrigen habe er nichts gegen Ausländer, wie seine neuen Antirassismus Zwerge beweisen würden. Er sei sogar ausgesprochen mutig, wie der Erdogan-Zwerg zeige.
Hotte hatte erklärt, sein künstlerischer Beitrag zur Anti-Rassismus-Aktionswoche seien zwei Antirassismus Zwerge. Er werde einen Antirassismus-Superman-Zwerg und ein Antirassismus Ken-Zwerg kreieren. Den Ken-Zwerg, der Mann der Barbie-Puppe, könne man rosé oder violett und sonst wie tüdelü anmalen. Der Anti-Rassismus-Superman solle den Kopf von Bob Marley haben und den Körper von Bruce Lee. Er werde die Anti-Rassismus-Zwerge aber erst einmal KI-technisch auf dem Computer herstellen und auf der Internet-Seite seines Vereins „Dein Zwerg und Du“ platzieren. Eine Kopie werde er an das Organisations-Team der Anti-Rassismus-Aktionswochen schicken mit der Frage, wo er seinen Anti-Rassismus-Kunstbeitrag ausstellen dürfe. Er könne sich auch vorstellen, dass die Zwerge Teil eines Edutainments sein könnten, also Erziehung mit Humor. Man könne sie auch in Kitas oder Schulen aufstellen. Wenn seine KI-Zwergen-Fassung allseits Gefallen fände, werde er sie mit seinem 3D-Drucker ausdrucken und da aufstellen, wo es gewünscht sei.