Satire: Radio Gülle und die Rolle der Frau im Schwarzen Speckgürtel
Auszug aus dem Satire-Block: Neues aus Klingebiehl, Kocholt und dem Schwarzen Speckgürtel
„Radio Gülle berät in Ehefragen“, hieß das Abend-Motto der beliebtesten Radio-Station des Schwarzen Speckgürtels. Treue Zuhörer auf dem Lande hatten eingeschaltet, als der bewährte Gülle-Reporter Fritz Freimut von Kompost die Roy Black Platte auflegte „Ganz in Weiß mit einem Rosenstrauß“. Mit einem Seufzer gratulierte er seiner Exfrau Bettina zu ihrem beinahe fünften Ehejahr. Dieses Mal gehe es um die Rolle der Frau im Schwarzen Speckgürtel, erklärte Fritz Freimut von Kompost mit belegter Stimme. Er widme diese Sendung seiner Ex-Frau, damit sie es beim nächsten Mal besser mache. Das Thema heute sei: „Die Liebe im Schwarzen Speckgürtel und die Rolle der Frau“.
Fritz Freimut von Kompost hatte im Radio erklärt, jede Frau vom Lande wisse, wo ihr Platz sei, nämlich vor ihrem Mann. Greife der Bulle im Stall an, so nehme sie unverzüglich den Platz vor ihrem Mann ein. Die gute Landfrau habe im Regelfall einiges um die Hüften und vor der Brust. Wenn der Bulle den Mann, den Beschützer und Ernährer der Familie angreife, so nehme sie die Pufferstellung ein und stehe wie eine Wand vor ihrem Mann und trutze dem Bullen. Dessen Hörner träfen dann sie und nicht den geliebten Ehemann und Ernährer der Familie. So gehe Liebe im Schwarzen Speckgürtel. Und selbstverständlich sei der Platz der Frau auch hinter ihrem Mann. Wenn er beim Schützenfest betrunken vom Hocker falle, dann müsse sie ihn auffangen und das möglichst sanft. Volkshochschulen des Speckgürtels böten dazu den Kurs an „Geschickt mit dem eigenen Körper den Mann auffangen“. Hier habe seine Bettina versagt. Als er beim letzten Schützenfest in Baumhaufen um 3 Uhr morgens vom Hocker gefallen sei, sei sie nicht zur Stelle gewesen, habe stattdessen mit Freundinnen Urlaub in der Toskana gemacht. Er habe dann mit einer schweren Gehirn-Erschütterung im Krankenhaus gelegen und sie habe ihm Blumen geschickt, einen Strauß weißer Nelken.
Auch beim Bambus-Test habe sie versagt. In jedem gutem Haushalt im Schwarzen Speckgürtel gebe es das elastische Bambus-Stöckchen. Benähmen sich Frau und Kind schwer daneben, so müsse von alters her das Bambus-Stöckchen tanzen. Die gute Haus- und Ehefrau habe so ein Stöckchen stets in greifbarer Nähe für den Ernährer und Ehemann. Die gute Ehefrau des Schwarzen Speckgürtels sei sich auch nicht zu schade, wenn er probeweise das Stöckchen auf ihrem nackten Po tanzen lasse. Das könne auch sehr erotisch sein. Er wisse von Promi-Männern aus dem Schwarzen Speckgürtel, deren Frauen dann lustvoll schrien, „fester, fester“. Das jedenfalls behaupteten einige Ehe- und Ehrenmänner des Speckgürtel-Klubs „Das fidele Bambus-Stöckchen“. Bettina habe ihm weder Kinder beschert noch Bambus-Stöckchen. Als er ein solches Stöcken einmal nach Hause gebracht habe und ausprobieren wollte, sei ihm von ihr damit der Arsch versohlt worden. Seine Hilfeschreie hätten die Nachbarfrauen herbeigeholt. Im Triumphgeheul sei diese Frauen Bande dann durch die Nachbarschaft getobt und habe Ehemänner vermöbelt.
Ihm sei dann von seinem Sender wegen Unmännlichkeit und moralischem Fehlverhalten gekündigt worden. Dann habe sie die Scheidung eingereicht und sei in die Grüne Stadt Münster abgedampft. Er werde heute noch von der Männer Gruppe „Hau drauf-Speckgürtel“ wieder aufgebaut. In Trainings Abenden werde seine Männlichkeit durch Kampf-Saufen und gelegentliche Puff-Besuche gestärkt. Er fühle sich fast wieder bereit, eine neue Schwarze Speckgürtel-Beziehung einzugehen. Der Sender habe ihn wieder in Gnade aufgenommen und er betreue seither die Sendung „Radio Gülle berät in Ehe-Fragen“.