Satire: Radio Gülle, Heimat-Geschäfte und Schlitzaugen

Aussschnitt aus dem Satire-Block: Satiren gegen Rassimus

Radio Gülle, der beliebteste Radiosender im Schwarzen Speckgürtel, hatte zur Heimat- Woche aufgerufen. Radio Gülle hatte den Reporter Fritz Freimut von Kompost zum Heimat Haus in Waldhaufen geschickt. Dort hatten sich die Händler von Waldhaufen, einer kleinen Gemeinde im Münsterland, versammelt. Das Netz schnappe ihnen immer mehr Kunden weg, hatte Freifrau von Dünkel, die Eigentümerin der Boutique für das modische Münsterland, gekreischt. Ihre jagdgrünen Ball- und Hochzeitkostüme gäbe es für ein Viertel des Geldes auf der Plattform Tsching-Tschang-Tschung. Beim letzten Schützenfest habe sie sogar Jäger in grasgrün in Tsching-Tschang-Tschung-Klamotten gesehen. Sie verlange, diesen unpatriotischen Schnick Schnack abzuschalten. Früher habe es zur Wochenend-Zeitung eine Beilage gegeben mit regionalen Angeboten. Und das sei gut so gewesen. Man müsse alle Tsching-Tschang-Tschungs in die Güllegrube werfen. Es müsse Schluss sein mit Schlitzaugen-Terror. Sie habe eine Liste von Tsching-Tschang-Tschung Leuten im Speckgürtel. Jetzt müssten echte Kerle ran, um die Heimat und ihre Boutique zu retten. Das Münsterland sei das Revier der Münsteraner und Münsterländer. Die Chinesen sollten in China bleiben.

Auch Dr. Pillendreher von der Apotheke „Zur Heiligen Jungfrau“ in Waldhaufen hatte den Einsatz von Tsching-Tschang-Tschung Jägern verlangt. Die Internet Apotheken machten ihm seine Apotheke kaputt. Er überlege, seine Apotheke in „Heimat-Apotheke“ umzubenennen. Er verteile jetzt schon in seiner Apotheke an die Kunden gratis saure Boskop Äpfel. Das müsse der gesunde Westfalen Magen abkönnen. Das Problem in seiner Apotheke aber seien hauptsächlich die älteren Kunden. Die Mehrheit seiner Kunden aus Waldhaufen seien Rentner mit dem einen oder anderen Schaden. Die Meisten seien schwerhörig, manche auch ein wenig dement. Da sei ein gutes Kunden-Gespräch Perlen vor die Säue werfen. Manche seien untenrum schon nicht mehr dicht. Die wollten, dass er in der Apotheke eine „freundliche Toilette“ einbaue, wo sich jeder nach Belieben erleichtern könne. Eine Apotheke sei doch kein Pissoir. Er habe schon zwei fesche Mitarbeiterinnen eingestellt, wegen der Kundenbindung. Aber die Schönen in seiner Apotheke könnten sich nicht auf den rechten Schnack der Speckgürtel-Bürger Waldhaufens einstellen oder wollten es nicht. Und dann gebe es die Internet-Apotheken im Netz, die mit Billigware aus dem Lande der Tsching-Tschang-Tschungs ihm die Kunden abwürben. Immer mehr Rentner aus Waldhaufen ließen sich ihre Medikamente lieber mit der Post nach Hause liefern, anstatt ihre müden Ärsche in die Apotheke zu bewegen. Er überlege, den einen oder anderen Boskop Apfel zu vergiften. Das könnte seine Apotheke „Zur Heiligen Jungfrau“ in die Schlagzeilen bringen.

Der Inhaber des Schuhgeschäfts „Ackerschick“ hatte verbittert erklärt, keiner kaufe mehr seine historischen Holzschuhe. Auch seine rustikalen Gummistiefel verrotteten in den Regalen. Stattdessen trage die Bäuerin heute die Ganzkörper Gummijeans aus dem Land der Tsching-Tschang-Tschungs, die von der Zehspitze bis zum Arsch am Körper klebte. Die Sachen seien voll synthetisch und waschbar bis zu 30 Grad. Das Bauern-Jungvolk gehe damit in den Stall und in die Disko. Es gebe diese billigen Klamotten auch als Overalls in allen Farben. Er höre von allen Seiten, sogar von seinen Kindern, diese Klamotten seien geil. Auch die Gesundheitsschuhe kämen heute aus dem Land der Schlitzaugen.

Der Gülle Reporter Fritz Freimut von Kompost hatte sich Fotos vom neuen Tsching-Tschang-Tschung Look zeigen lassen und erklärt, das sehe geil aus. Jetzt müsse die Gülle Front mit guten Ideen gegen die Tsching-Tschang-Tschungs anstinken, sonst sehe es schlecht aus mit den Heimat-Läden in Waldhaufen. Fritz Freimut von Kompost hatte ein paar Pullen Schnaps und drei Kisten Bier aus dem Kofferraum seines Autos geholt und die Gülle Denkfabrik für eröffnet erklärt. Nachdem Schnaps und Bier auf getrunken waren, hatten die Männer erklärt, sie wollten in die nächste Tsching-Tschang-Tschung Disko, um den Mädels ihre sündigen Fetzen vom Leib zu reißen. Auch der katholische Vikar war mitgekommen. Gottes Segen könne nie schaden, hatte er erklärt, wenn es darum gehe, schlitzäugige Teufel zu besiegen.