Satire: Braune Fascho-Kleckse im Schwarzen Speckgürtel
Auszug aus dem Satire-Block: Neues aus Klingebiehl, Kocholt und dem Schwarzen Speckgürtel
Die Grüne Petra hatte bei Radio Gülle angerufen und die Nachrichten Redaktion verlangt. Man hatte den Anruf an Fritz Freimut von Kompost, einen Journalisten von Radio Gülle, weitergeleitet. Es seien Braune Schweinerei in Baumhaufen passiert, hatte Petra erklärt. Nazi-Flyer seien an Laternen-Pfähle und Häuser geklebt worden. Die Flyer seien von der „Heimat“, einer Neuauflage der verbotenen Fascho-Partei „NPD“. Ihre Grüne Partei überlege noch, wie damit umzugehen sei. Man erhoffe sich Hilfe seitens der Medien.
„Junge Frau“, hatte von Kompost sie unterbrochen. Im Radio könne man über alles plaudern und in der Sendung „Zum frühen Hahnenschrei“ könne das vielleicht eine sogenannte „Bunte Nachricht“ sein. Es müssten ja nicht immer entlaufene Kühe oder flüchtige Papageien sein, über die man dort berichte. Aber eine seriöse Nachricht für die Medien müsse Bedingungen erfüllen. Für Radio Gülle hieße das, die Nachricht müsse einen lokalen Bezug zum Speckgürtel haben und müsse von öffentlichem Interesse sein. Und dann müsste eine Nachricht die fünf W-Fragen beantworten: Wer hat wann, was, wie und warum gemacht. Wenn Nazis in Baumhaufen Wände und Laternen-Pfähle beklebten, sei ein regionaler Bezug gegeben. Aber an der Sache bestehe eher kein öffentliches Interesse, meine er. Wenn ein Blödmann, „fuck you“ an die Wand schmiere, interessiere das die Öffentlichkeit nicht. Wenn ein Blödmann ein Hakenkreuz an die Wand schmiere, käme der Verfassungsschutz und der Blödmann sei auf mal wichtig, bleibe aber in seinen Augen ein Schmierer-Blödmann.
Er erinnere sich an eine Story aus seiner wilden Jugend. Er habe damals im Winter mit Freunden in einer Kneipe im Speckgürtel gesessen und gut getrunken. Draußen habe Schnee gelegen und dann habe man so um drei Uhr nachts auf der Straße im Schnee ein Kunstpinkeln veranstaltet. Einige hätten Herzen in den Schnee gepinkelt, einige Kreise. Nur der Bauer Adolf Winterkrug, damals schon weit über siebzig Jahre alt, habe ein Hakenkreuz in den Schnee geschifft. Alles harmlos, habe man gedacht, der Neuschnee werde alles überdecken oder alles werde mit dem Schnee schmelzen und im Abwasser verschwinden. Aber der Adolf habe Diabetes gehabt und ein Mittelchen genommen, um den überflüssigen Zucker im Körper über die Nieren zu filtern und auszupinkeln. Harmlose Pinkelei, hätten alle gedacht und am nächsten Morgen sei nichts mehr zu sehen. Aber am nächsten Morgen sei ein gelbes Hakenkreuz auf der Straße zu sehen gewesen. Adolfs Hochzucker-Urin habe sich gelblich in den Asphalt eingefressen. Die Polizei habe das verfassungsfeindliche Symbol fotografiert und analysiert. Dann habe man es umgehend fachmännisch entfernen lassen. Die Straße sei tags drauf vor der Kneipe neu geteert worden.
Die Polizei habe schnell herausgefunden, dass Adolf der Urheber des Hakenkreuzes war. Zeugen hatten die Pinkelei vor der Kneipe gesehen. Dann sei eine Flut von Maßnahmen auf Adolf niedergeprasselt, hatte von Kompost berichtet. Das Anbringen eines Hakenkreuzes sei das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nach Paragraph 86 a des Strafgesetzbuchs, habe es in der Anklage-Schrift geheißen und Bauer Adolf habe vor Gericht erscheinen müssen. Bauer Adolf habe nicht die Höchststrafe des Strafgesetzbuchs, drei Jahre Gefängnis bekommen, er sei zu einer Geldstrafe von tausend Euro verurteilt worden. Er habe, um den Schaden wiedergutzumachen, ein Stück neu geteerter Straße bezahlen müssen. Das Sperren der Straße und die Reparatur habe eintausendfünfhundert Euro gekostet. Die Straße hatte austrocknen müssen und war gesperrt worden. Die Kneipe hatte für einen Tag schließen müssen. Das habe weitere fünfhundert Euro Schadensersatz bedeutet und Adolf habe in der Kneipe Hausverbot bekommen. Ein befreundeter Bauer hatte angeboten, mit dem Trecker ein paarmal über das Hakenkreuz zu fahren und dabei zu bremsen. Dann sei vom Hakenkreuz nichts mehr zu sehen. Adolf hatte angeboten, alles zu überpinkeln. Aber mit Fascho-Aktionen spaße die Justiz nicht, hatte man Bauer Adolf erklärt. Er hatte insgesamt dreitausend Euro für seine Pinkelei zahlen müssen.
Seine Frau sei in den nächsten Monaten zum Einkaufen nach Münster gefahren, wo sie keiner kannte. Bauer Adolf sei danach kaum aus dem Haus gegangen und seine Frau habe ihn auf Rudolf umbenannt. Von Kompost hatte erklärt, dass alles sei die Schuld von Diabetes und eigentlich hätte die Pharmaindustrie verklagt werden müssen. Mit dieser Gelb-Pinkel habe keiner gerechnet. Aber an die da oben traue sich niemand heran. Adolf sei im hohen Alter noch dem Club der Anonymen-Alkoholiker beigetreten und trinke nun Apfelsaft ohne Zucker. Dazu hatten ihm der Pastor und sein Rechtsanwalt geraten.
Die „Heimat“ habe ihm kameradschaftliche Hilfe angeboten. Seine Frau habe mit Scheidung gedroht, sollte sie einen dieser Typen in der Nähe von Adolf/ Rudolf sehen. Adolf/Rudolf habe das Medikament gewechselt und habe Probleme beim Wasserlassen bekommen. Er habe ein Pinkel-Trauma, hatten Neurologen festgestellt. Im Dorf habe man ihn Pinkel-Adolf genannt und der Schwiegersohn sei nicht, wie geplant, der neue Schützenkönig geworden. Von Kompost hatte erklärt, damit habe Adolf/Rudolf für die Tat heftig gesühnt und damit müsse es gut sein.
Von Kompost hatte außerdem erklärt, mit den Fascho-Aufklebern in Baumhaufen sei es wahrscheinlich so, wie mit Silvester Rest-Böllern im Keller. Die Aufkleber stammten wahrscheinlich aus Nazi-Altbeständen, die längst auf die Müllkippe gehört hätten. Aber dann sei irgendein Adolf/ Rudolf dahergekommen und habe den Mist verklebt. Er werde darüber nicht berichten. Nicht jeder Mist müsse über den Äther verbreitet werden. Wenn der Mist an das Rathaus geklebt werde oder man ein Ratsmitglieder dabei erwische, dann sei das eine Nachricht. Vorher sei das eine Blödmann-Suff-Tat. Er werde keine Werbung für diese Schwachköpfe machen, indem er über sie berichte.
Er solle die Fascho Taten mal nicht so arrogant runterspielen, hatte Petra ihn am Telefon angebrüllt. Er wolle darüber nicht berichten, weil er wahrscheinlich ein Sympathisant der Rechten sei. „Vorsicht“, hatte von Kompost zurück gebrüllt. Er sei Journalist und kein Antifa-Werkzeug. Wenn sie wirklich was zu vermelden hätte, solle sie sich wieder beim Sender melden und Ross und Reiter nach den fünf W-Fragen-benennen.