Satire: Der laute Ruf aus Moskau und Gerd Schröder zu Hause in Aktion
Auszug aus dem Satire-Buch: Die vielen Seiten des Gerhard Schröder
Kim Schröder hatte ein großes Stück Papier an die Küchentür geklebt. Mit Bleistift hatte sie darauf geschrieben „Kanzler-Büro-Schröder“. Sie hatte in den Kurznachrichten von „Geiles Radio Hannover“ gehört, dass Wladimir Putin sich ihren Gerd als Vermittler zwischen Russland und Europa gewünscht habe. Er solle als Vermittler Frieden schaffen zwischen Russland und der Ukraine.
Just in dem Moment, hörte sie ihren Gerd, mit dem sie nunmehr acht Jahre verheiratet war, den Gang zur Küche herunterschlurfen und sie stellte schnell das Radio aus. Ihr Gerd hatte einige Zeit in einer Klinik verbracht wegen eines Burnouts. „Gibt’s was Neues“, murmelte er in Richtung Kim und die schüttelte den Kopf. Gerne hätte sie ihm zugerufen, „Wir sind wieder im Spiel“, aber das waren sie nicht. Gerd war nun zweiundachtzig Jahre alt, und sie hatte auf ihrem letzten Selfie mit Gerd erklärt, die Liebe zwischen ihnen wachse immer mehr. Gerd schaute verwegen auf dem Selfie aus und das hauptsächlich wegen des bunten Tuches um den Hals und der buschigen Augenbrauen. Sie hatte gelesen, dass buschige Augenbrauen ein aktueller Beauty-Trend sei, der für Natürlichkeit, Entschlossenheit und ein jugendliches Aussehen stehe.
Gerd hatte ihr gestern noch einmal erklärt, er habe die Schnauze voll von Politik. Er werde sich jetzt erst einmal um sich selber kümmern. Er tauchte in letzter Zeit gerne in den Keller ab. Er mache dort eine Bestandsaufnahme, hatte er ihr gemeint. Erst hatte er den Weinkeller alphabetisch ordnen wollen. Dann hatte er gesagt, besser sei es, den Weinkeller, bzw. die Flaschen, nach Jahrgang zu ordnen. Gestern hatte er ihr erklärt, er wolle den Weinkeller geschmacklich neu ordnen. Dann war er zum Supermarkt gegangen und war mit einigen Baguettes und viel Käse zurückgekehrt.
Am Morgen drauf hatte er gemeint, er habe den Schlüssel für den Weinkeller wohl verlegt. Sie hatte ihn gebeten, ihr beim Neuordnen der Tee Sorten in der Küche zu helfen. Gerd aber hatte erklärt, er sei für Rebsorten zuständig nicht für Tee-Blätter. Dann war er, begleitet von einem Leibwächter, den Weg zum Supermarkt zurückgegangen und hatte dort gefragt. Auf dem Rückweg waren sie an einem Spielplatz vorbeigekommen und hatten auf der Suche nach dem Kellerschlüssel einige Kubikmeter Sand gesiebt. Einige Kinder und Mütter hatten mit Kinder-Schäufelchen und Sieben geholfen. Die Aktion hatte rund zwei Stunden gedauert.
Gerd Schröder hatte nichts von den Anrufen mitbekommen, die zwischenzeitlich in seinem Büro eingegangen waren. Kim hatte, am Küchentisch sitzend, allen erzählt, der Gerd fühle sich geehrt und überlege noch. Bevor er aber bereit sei, für Deutschland was zu tun, müsse Deutschland was für ihn tun. Seine Frau z.B. müsse vom Land Nordrhein-Westfalen wieder in Amt und Würden gesetzt werden. Eine anständige Nachzahlung sei fällig und eine öffentliche Entschuldigung, sonst gehe gar nichts. Einige Polit-Granden hatten ihr erklärt, das sei doch selbstverständlich, Geld spiele hier keine Rolle. Jetzt sei die Zeit gekommen, sich mit Russland wieder in das politisch historische Bett zu legen. Ein deutsch-russischer Frieden stehe an. Gerd Schröder müsse in der Tradition von Fürst Bismarck handeln.
Als Gerd Schröder Stunden später wieder frustriert zu Hause aufgetaucht war, hatte sie im Radio gehört, die Putin-Idee, Gerd Schröder an den Verhandlungstisch mit Europa und Russland zu setzten, habe sich erledigt. Einige EU-Chefs hatten erklärt, Schröder sei überfordert, als Vermittler einen Frieden zwischen Russland und der Ukraine auszuhandeln. Er könne nicht in der Mitte des Tisches als Vermittler sitzen und gleichzeitig an der Seite seines Freundes Putin. Kim Schröder hatte ihren Gerd den Schlüssel auf dem Gang zum Weinkeller finden lassen und Gerd hatte sogleich einige Flaschen Wein nach der neuen Verkostungs-Methode bearbeitet.