Satire: Der Bürgermeister und der Tod im Flüchtlings-Container

Ausschnitt aus dem Block: Satiren gegen Rassismus

Fritz Freimut von Kompost hatte einen Aufruf von seinem Polizei-Informanten Till Schupo bekommen. Zwei Dinge wolle er mit ihm besprechen. Zum einen müsse er mit ihm von Kita Papa zu Kita Papa sprechen. Es gehe um das Kita Sommerfest, wo sie beide im Organisations-Ausschuss säßen. Zum anderen gehe es um den Tod des Bürgermeisters von Klein-Waldschlucht.

In Sachen Bürgermeister hatte von Kompost folgendes verstanden. Der dicke Berni Wilhelms, Bürgermeister von Klein-Waldschlucht hatte letzte Nacht im Flüchtlings-Container Dorf einen Herzinfarkt bekommen und war verstorben. Die Umstände hatten dazu geführt, dass die Polizei ermittelt hatte. In der Gemeinde war der Teufel los. Die Gemeindeverwaltung hatte eine Nachrichten-Sperre verhängt. Till Schupo hatte am Telefon erklärt, er könne von Kompost nur vertraulich sagen, dass es wohl ein Sommerfest bei den Flüchtlingen gegeben habe, das die Grünen und die Flüchtlings-Hilfe von Klein-Waldschlucht organisiert hätten. Es habe ein Lagerfeuer gegeben, zu essen und neben Orangensaft auch Bier, Schnaps, Whisky und Rum. Der Bürgermeister habe sich mit einer hübschen Afrikanerin namens Mary aus Äthiopien nach guter westfälischer Art verbrüdert. Dann habe man die Beiden aus den Augen verloren. Später habe es geheißen, der Bürgermeister wolle noch ein wenig bleiben und später zu Fuß nach Hause gehen.

Laut Polizei Bericht war es an dem Sommerabend in den Containern eher kühl gewesen. Wenn aber die Sonne morgens auf den Containern stand, dann konnte drinnen eine richtige Sauna-Hitze entstehen. Jedenfalls hatte Bürgermeister Berni lange in den Armen von Mary geschlafen. Als die Temperatur dann um 10 Uhr auf 35 Grad gestiegen war, hatte der Bürgermeister erstmalig bedauert, dass man die Flüchtlinge nicht in normalen Häusern untergebracht hatte. Man werde kein unnötiges Geld ausgeben für Leute, die nicht die Unseren seien, hatte er in seiner Fraktion getönt und Beifall dafür bekommen. Als ihm schwindlig wurde, hatte er bedauert, dass das Container-Dorf sich so weit weg vom Ortskern, nämlich fünf Kilometer, befunden hatte und seine Frau nicht einfach seine Medikamente vorbeibringen konnte. Aber er hatte vor seiner Fraktion erklärt, es sei besser, wenn die Flüchtlinge ein wenig weg vom Schuss seien. Das sei besser für Frauen und Kinder und die Ruhe im Dorf. Als er um Hilfe gerufen hatte, hatte er bedauert, dass er den Flüchtlingen den Deutschkurs gestrichen hatte. Die Sprache lerne man am besten bei der Arbeit, hatte er vor seiner Fraktion getönt und die Hände in die Hüften gestemmt. Und überhaupt sollten die nicht so viel quatschen, sondern anpacken. Auf den Bauernhöfen ringsum gebe es genug zu tun. Alle in der Fraktion hatte ihm damals applaudiert.  

Dann war er im Container umgefallen, und der Krankenwagen hatte nicht bis vor die Container fahren können, weil der Feldweg dorthin zu schmal gewesen war, was der Bürgermeister jetzt bedauerte. Man brauche keine neue Straße, hatte er vor der Fraktion erklärt. Er wisse aus sicherer Quelle, dass man nach der gewonnenen Wahl erst einmal die Grenzen zu machen werde, es sollten keine Flüchtlinge mehr ins Land kommen. Dann wolle man alle Flüchtlinge nach und nach abschieben, soweit der Arbeitsmarkt das zulasse.

Der Bürgermeister war schließlich ins Krankenhaus gebracht worden und dort verstorben. Er sei in Ausübung seiner Pflicht gestorben, hatte sein Stellvertreter an die Presse gemeldet. Sein gutes Herz sei stärker gewesen als das Herz, das ihm der liebe Gott auf Erden gegeben habe, er sei herzkrank gewesen. Man werde sich immer an seine herzliche und gesellige Art erinnern. Von Kompost hatte seinem Polizisten Kumpel Till Schupo für die Informationen gedankt und erklärt, er freue sich auf das Kita Sommerfest mit viel Wurst und Bier. Über den Bürgermeister Tod werde Radio Gülle aber nicht berichten. Manchmal werde ein Journalist auch dafür bezahlt, nicht zu berichten. Sein Chef-Redakteur jedenfalls habe ihm erklärt, er wisse ja wohl, wer im Speckgürtel das Sagen habe und Radio Gülle pinkle seinen Freunden nicht ans Bein, besonders den Verstorbenen nicht. Außerdem habe er von den Flüchtlingen keine Klagen gehört. Alle hätten sich über die schöne Party gefreut. Man habe eine gewisse Mary davon abbringen können, der Frau des Bürgermeisters, von Frau zu Frau, einen Beileidsbrief zu schreiben. Mary sei in einem anderen Flüchtlingscamp untergebracht worden. In Klein-Waldschlucht herrsche wieder die geliebte heilige Ordnung des Speckgürtels, alles sei im christlichen Lot. Dem Bürgermeister werde posthum das Bundesverdienstkreuz verliehen.