Rechtes Kneipengeflüster: Umvolkung, Wetter und Fußball

Ausschnitt aus der Satire Sammlung: Paatrioten Idiooten

Die beiden Rudis zwängten sich die Treppe zum „Strammen Max“ hinunter.  Gemeinsam durch die Tür zur rechten Keller Kneipe in Berlin Mitte schafften sie es nicht, dafür waren sie zu dick. Dudi-Rudi im schwarz rot goldenen Hoodie breitete in der Tür die Arme aus und rief in die muffige Kneipe hinein, „Volksgenossen und Freunde, heißt meinen Cousin und Freund aus Münster willkommen, Kuki-Rudi. Er wurde in Münster von polnischen Eindringlingen in den deutschen Volksraum vertrieben und wohnt nun vorübergehend bei mir“. Kuki-Rudi riss, in der Tür stehend, den rechten Arm in die Höhe und gröhlte, „Mal ein wenig Luft unter die Achseln lassen.“ Ausgelassenes Kichern antwortete ihm. Kneipenwirt Erwin drehte die Marschmusik in der Kneipe etwas lauter und stellte den elektronischen Radio-Wecker ab. Er hatte gehört, der Verfassungsschutz höre alles ab, was sich im Internet befände. Einigen Fascho-Kneipen sei schon die Ausschank Lizenz entzogen worden.

Schwüle Hitze im Strammen Max in Berlin und Germanen Gott Thor

Adolf Willwoll, rechtes Urgestein aus dem „Strammen Max“ in Berlin-Mitte, riss ebenfalls den rechten Arm hoch. „Sei willkommen im arischen Kampf“, rief er und riss dabei einen Humpen Bier von der Theke. „Scheiß Hitze“, grollte er in die Theken-Runde hinein, „das haut den stärksten Germanen vom Hocker“. Er könne wegen der Hitze seit Tagen nicht mehr richtig schlafen und seine Frau Eva quengle herum, sie wolle auf Norderney Urlaub machen. Kühle Meeresluft mache die Hitze erträglicher, sage sie und man müsse mehr für die Umwelt tun. Adolf Willwoll trug ein schwarzes T-Shirt mit dem Foto einer blonden Frau und einem Schäferhund. „Meine Evas“ stand unter beiden.

„Blödsinn“, fuhr Dudi-Rudi ihn an, der mit seinem Cousin, Kuki-Rudi einen Platz an der Theke gefunden hatte. Der germanische Gott Thor mache das Wetter. Dem müsse man  huldigen, wenn es mit dem Wetter klappen solle. Schuld an der Hitze sei die Volksverräter Regierung. Diese Jungs leugneten die Germanen-Götter und sprächen vom Klimawandel, anstatt vor den alten Altären auf die Knie zu fallen.  „So isses“, grummelte die Germanen Kneipen-Runde zustimmend. Erwin, der Kneipenchef und Mannenführer im „Strammen Max“,  füllte die Gläser mit „Germanen Bräu “, einem Bier mit viel Alkohol und starker Germanen Verwurzelung.

 „Und diese Schweine da drüben, sind auch schuld“, brüllte Dudi-Rudi und deutete mit dem Finger in Richtung „Hanf-Nest“, einer alternativen Kneipe auf der Straßenseite gegenüber. „Diese Ökos glauben, sie könnten Thor überlisten“. Man könne sich den Göttern nur unterwerfen. Alles andere erzürne die Götter. Die gottlosen Ökos seien auch Schuld an der Hitze. Und dann schleppten sie mit den Migranten fremde Götter ein ins Germanen Land. Früher habe es keine Migranten gegeben und nicht diese Affenhitze. Die Hitze hätten wahrscheinlich die Schwarzen aus Afrika  mitgebracht.

 Der Kampf der weißen Rasse, Umvolkung und Frauen-Raub

„Diese Hitze hält doch nur noch der Afrikaner, Araber oder Latino aus“, schrie Adolf Willwoll und wischte sich den Schweiß von der Stirn und den Bierschaum vom Mund. „Und genau das ist das Ziel“, tobte er. Wenn dann der Germane hier nicht mehr leben könne, ins kühle Norwegen auswandere, in Richtung Nordpol, dem Heimatland der Wikinger, dann sei die Umvolkung gelungen. „Dann machen sich die Türken, Marokkaner, Latinos und anderes Volk hier breit, bei denen die Hitze zum Leben gehört. Dann übernehmen die unsere Heimat“, kreischte er. Er sei der letzte Bio Deutsche in seinem Block, hatte Dudi-Rudi erklärt. Über ihm und neben ihm koche und rede man anders. Er fühle sich nur noch im „ Strammen Max“ zu Hause. Hier denke und saufe man germanisch.

„So isses es“, stimmte Kuki-Rudi aus Münster“ zu. Er sei bereits aus Münster vertrieben worden. Angeblich sei er dort im „Germanen Glück“, seinem Kleingarten Verein, einer Nachbarin zu nahegetreten. „Zuerst reißen die sich unsere Frauen unter den Nagel“‘ schimpfte er. „Dann wird dem Adolf seine Frau, die Eva, Dritt-Frau im Harem von Ali Inschallah oder wie immer die Jungs heißen“. Adolf Willwoll hämmerte die Faust auf die Theke. „Eher bring ich die Eva um, als dass ich sie einem anderen überlasse“, brüllte er. „Wir müssen uns bewaffnen gegen die Umvolker“, bellte er. „Ganze Viertel in Berlin haben wir Germanen schon an die Türken, die Polen und die Fidschis verloren“. Nationalspiele gucken mache auch keinen Spaß mehr. Da turnten kaum noch blonde und blauäugige Spieler im deutschen Nationaltrikot rum. Er wolle wieder Uwe Seeler im deutschen Sturm sehen. „Uns Uwe“, brüllte die Germanen-Runde und Erwin machte nochmal die Gläser voll.

Fußball und Frauen

Es sei kein Zufall, dass die letzte Weltmeisterschaft im Backofen-Staat Katar stattgefunden habe, erklärte Dudi-Rudi. Bei dieser Affen-Hitze könne sich doch kein ordentlicher Germane auf den Beinen halten. Dem Ali oder Fidschi mache das nix aus. Bei 50° Grad im Schatten komme der erst richtig auf Touren, dann tanze der in der Oase Foxtrott. „Unsereiner aber kommt nicht mehr aus der Oasen-Quelle raus und muss sich mit den Kamelen ums Wasser balgen“. Das sei der Kampf gegen die weiße Rasse. Das sei deren Rache für die Überlegenheit der weißen Rasse. Die weiße Rasse kämpfe ums Überleben. Auch in seiner Nachbarschaft würden Wohnungen nur noch an Fremde vermietet. „Und ich muss die Klappe halten, sonst fliege ich aus der Wohnung wegen Gefährdung des sozialen Friedens“, schimpfte er. Er habe vor kurzem erst von der Hausverwaltung einen Schrieb bekommen, der in diese Richtung gehe. Das alles, weil er sich über zu viele Kümmeltürken in der Nachbarschaft aufgeregt habe. „Als weißer Germane dürfe man nichts mehr sagen“.

Die Klima-Anlage, der Tunnel ins Hanf-Nest und Kuki-Rudis Frust

Erwin müsse bei der Hitze auf jeden Fall eine Klimaanlage im „Strammen Max“ einbauen, hatte die Theken-Runde verlangt. „Und wer zahlt den Strom“, hatte Erwin seine Kameraden angegiftet. „Die da“, hatte Adolf Willwoll erklärt und mit dem Daumen in Richtung „Hanf-Nest“ gezeigt. Man müsse einen Tunnel unter der Straße zu denen graben und deren Strom anzapfen. Schließlich sei diese Bande an allem schuld. Und dann könne man auch ein paar Kästen Bier rüber holen. Vielleicht könne er auch mal durch den Tunnel später abends rübergehen, hatte Kuki-Rudi erklärt. Bei denen gebe es ein paar scharfe Bräute. Bei Weibern und beim Schnackserln denke er nicht politisch. Da übernähmen bei ihm andere Regionen. Die anderen an der Theke hatten Kuki-Rudi kumpelhaft auf die Schulter gehauen. „Weiber“, hatte die Runde gestöhnt und das Germanen Glas erhoben auf germanische Frauen, gebärfreudige Becken und die guten alten Zeiten.