Satire: Liebes-Graffiti und Rausschmiss aus Ägypten
Aussschnitt aus dem Satire-Block: Satiren gegen Rassimus
Rutz hatte die ganz Welt bereist und Spuren hinterlassen, nämlich Graffitis. Er sprühte nicht irgendwelche Graffitis, sofern Liebes-Graffitis. Es gab Touristen, die sammelten Tassen oder Steine der Länder, die sie bereisten. In der Türkei konnte das Steine sammeln teuer werden. Der türkische Patriot sah darin den Versuch, seine Heimat Stein für Stein ins ungläubige Ausland wegzutragen. Das war juristisch fast schlimmer als eine Präsidenten-Beleidigung und die kostete zwei Jahre Knast.
Rutz dagegen gab den Ländern was. Wenn er ein Land bereiste, hielt er es wie die Hunde, die ihr Revier markierten. Aber, er pinkelte nicht, er sprayte. Er hatte sich ein Anfänger-Graffiti Spray Set in drei Farben zum Sonderpreis für die zweite Reise nach Ägypten gekauft. Die Farben waren ungiftig und biologisch abbaubar, stand jedenfalls auf der Packung.
Rutz war bereit, der Welt seine Liebe zu seiner Partnerin Rabi dreifarbig und gesprayt mitzuteilen. Es war eine sehr kurze Geschichte, hauptsächlich in der Farbe Rot. Sein Graffiti zeigte ein rotes Herz mit den Buchstaben RRM. RRM stand für Rutz und Raby und Münster. Sein Ziel war, Spuren über den Tod hinaus zu hinterlassen und das weltweit. Manchmal stand deshalb im Herz auch „for ever“. Und er hatte noch einen kleinen Wimpel in Schwarz-Rot-Gold eingefügt. Er hatte das Ganze an seinem PC mit einer Rentner-KI hergestellt. Die fertige Datei hatte er in der Schneiderei nebenan als synthetische und abwaschbare Folie ausdrucken lassen.
Er war kein Touri-Rassist, der in kolonialer Manier die Armen der Welt ausbeutete, darauf legte er Wert. Das mochte auf seine Rabi zutreffen. Die saß jedes Jahr ab Weihnachten am Küchentisch und hexte an Schnäppchen Touren. Das was nicht schlimm. Er war schließlich auch gerne Schnäppchen-Jäger und kaufte bei Lidl oder bei Aldi ein. Er würde auch Artikel kaufen, die vom Laster gefallen waren, hatte er am Stammtisch im Kleingarten erzählt. Seine Leidenschaft galt Rabi und Spraydosen und dem Leben im Kleingarten Verein in Münster. In Graffitis gelang es ihm manchmal, diese Liebes-Elemente zu vereinen. Manchmal sprühte er ein paar blaue Punkte ins rote Herz. Das sollten Wassertropfen des Pools aus dem Schrebergarten sein. Er hatte seiner Rabi die künstlerische Aussage der blauen Spray Punkte erklärt und sie hatte seine Kunst Sprache verstanden. Er hatte dieses Graffiti zum Beispiel im Swimmingpool im Hotel in Ägypten an die Innenwand gesprüht. Rabi hatte einigen Spöttern im Pool die blauen Punkte erklärt und das auch in der Hotel WhatsApp Gruppe. Früher hatte Rutz Beweis-Fotos von Graffits mit der Polaroid Kamera gemacht und die Kunst-Fotos im Hotel beim Abend Buffet präsentiert. Heute ging das mit dem Handy viel schneller. Er gründete auf seinen Reisen gerne WhatsApp Gruppen in den Hotels. Der Rabi-Kunst-Unterricht auf WhatsApp war teuer geworden.
Das Hotel hatte Rutz vor die Alternative gestellt, sein Graffiti selbst zu entfernen oder für die Putzarbeiten zu bezahlen. Darüber hinaus stelle sich die Frage, so der Hotel Direktor, ob sein Graffiti eine politische Botschaft enthalte. Der Wimpel in Schwarz-Rot- Gold werfe Fragen auf. Wenn ja, müsse man sein Graffiti der Polizei melden. Er möge morgen früh in das Büro des Hotel Direktors kommen, seinen Reisepass mitbringen und die Spraydosen. Teuer werde seine Aktion auf jeden Fall. Das Reinigen des Beckenrandes erfordere das Ablassen des Wassers. Die Kosten dafür müsse er tragen.
Es gäbe noch einen Plan B, hatte ihm der Hotel Direktor erklärt. Seit seiner Ankunft in Ägypten seien einige Graffits seiner Bauart aufgetaucht. Seine Reise durch Ägypten ließe sich an Toiletten-Graffitis nachvollziehen. So sei am Tag seiner Anreise auf der Toilette des Flughafens das erste RRM-Graffiti aufgetaucht. Auch auf Pyramiden-Toiletten und sogar auf der Toilette einer Moschee habe er sich mit einem RRM-Graffiti verewigt. Man könne das Ganze als einen Angriff auf die politischen Werte Ägyptens betrachten. Das hieße für Rutz wahrscheinlich Gefängnis. Oder man könne das Ganze als respektlose Schmiererei werten. dann habe er für die Säuberung von Toiletten-Wänden zu zahlen. Oder man betrachte Alles psychologisch. Dann sei das Ganze die Wahn Tat eines liebetollen Rentners, für den man Bewunderung oder Mitleid haben könne. Er könne es sich aussuchen. Wenn er morgen abreise, vorher dreitausend Euro Schadensersatz zahle und versichere, Ägypten nie wieder zu betreten, werde man ihn laufen lassen. Auf jeden Fall werde man weltweit seinen Namen und die Vorfälle an Fluggesellschaften, Hotelketten und alle erreichbaren Museen melden. Auch dort seien RRM-Graffitis bereits gesichtet worden. Der Hotel Direktor hatte ihm, von Mann zu Mann, geraten, seine Frau öfter mal zum Essen einzuladen und mit Komplimenten nicht zu geizen. Das sei kostengünstiger und auf Dauer gesünder als RRM-Graffiti-Aktionen. Dazu käme, dass Graffiti sprühen eigentlich eine Jugendsünde sei, die sportliche Vitalität erfordere. Umso mehr betrachte man seine Aktionen als romantische Ausreißer.
Und so waren Rutz und Raby bereits nach einer Woche anstatt nach zwei Wochen aus dem Urlaub in Ägypten zurückgekehrt. Pyramiden würden überbewertet, hatte Rutz auf seiner WhatsApp Seite „Rutz-Kunst-Graffiti“ erklärt. Ihre nächste Reise gehe nach Italien, ins Land der Liebe. Er habe gehört, die Toiletten in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan seien aus weißem Marmor. Vielleicht habe man im christlichen Abendland mehr Respekt vor seiner Liebes-Lyrik in Farbe als in der muslimischen Welt.