Satire: Gerd Schröder kräht bei Radio Gülle

Auszug aus dem Satire-Buch: Die vielen Seiten des Gerhard Schröder

Gerd Schröder sei zu Besuch in Moskau, hatte von Kompost im Rundfunk gehört, als er im Juni 2026 morgens auf dem Weg zu seinem Radio Sender „Gülle“ war. Ein deutscher Journalist namens Rainer Munz habe ihn im russischen Hotel Kempinski gesehen, hatte es in den Nachrichten geheißen. Er mache in Moskau Urlaub, habe der Ex-Kanzler erklärt. Von Kompost hatte laut gelacht und gerufen „Nachtigall, ik hör dir trapsen“.

Von Kompost hatte sich wieder einmal von Gerd Schröder verraten gefühlt. Von Kompost war als Student in die SPD eingetreten, um sich von seinem konservativ, bürgerlichen Elternhaus zu befreien. Sein Vater, Baron von Kompost, war selbstverständlich in der CDU. In den Hallen von Schloss Kompost hatte es manches konservatives Saufgelage gegeben. Von Kompost hatte als junger Mann, mit vom Papa finanzierten Führerschein, manchen rechten angetrunkenen Spitzen-Politiker der Region spät in der Nacht nach Hause fahren müssen. Dabei hatte er sich soviel rechten Stuss anhören müssen, dass er später im fernen Studienort Hamburg in die SPD eingetreten war. Er war ein begeisterter Willy Brandt-Fan gewesen. Ihm hatte das weltmännisch Humanistische an Willy Brandt gut gefallen. Als dann aber Gerd Schröder die SPD übernommen hatte, war ihm das Kotzen gekommen. Er sei nicht in die SPD eingetreten, um an der Seite eines solchen Schnösels zu stehen, hatte er seinem Vater erklärt. Als Schröder dann sehr viele Euros als russischer Lobbyist abkassierte, hatte von Kompost im Freundes-Kreis von Verrat gesprochen. Sein Vater hatte ihm gesagt, jetzt wisse er, dass die Schwarzen und die Roten sich nicht sehr unterschieden.

Jahrelang hatte von Kompost überlegt, wie er mit dem Schröder-Schock umgehen sollte. Er war aus der SPD ausgetreten, aber die SPD hatte es nicht geschafft, sich von Gerd Schröder zu trennen. Dafür hatten sich zwanzig Prozent der SPD-Genossen von der Gerd Schröder SPD verabschiedet. Sein Coach hatte ihm zur Scheiterhaufen-Methode geraten. Er solle eine Gerd Schröder-Puppe bauen und auf einem Scheiterhaufen verbrennen. Er könne viele Zettel mit seinen SPD-Träumen an die Puppe hängen und diese gleich mitverbrennen. Er könne dafür eine große Party veranstalten und als Höhepunkt die Gerd Schröder-Puppen-Verbrennung durchziehen.

Von Kompost hatte lange gezögert, aber 2022 war er soweit gewesen. Im Juli 2022 war Gerd Schröder überraschend nach Moskau gereist und hatte Rainer Munz im Hotel Kempinski erklärt, er mache in Moskau Urlaub. Er hatte damals auch Putin getroffen. Beim Treffen war es um die Energiepolitik Russland-Deutschland gegangen und speziell um die Pipeline Nord Stream 2, deren Nutzung von Deutschland nicht genehmigt worden war. Gerd Schröder hatte sich bereits damals mit dem Segen Putins als Vermittler im Nord Stream 2 Konflikt angeboten und beim Krieg Russlands gegen die Ukraine. Die damalige Bundesregierung (die Ampel-Regierung) hatte das angesichts des Überfalls Russland auf die Ukraine strikt abgelehnt.

Von Kompost hatte vor Empörung über Gerd Schröder gekocht und zur Gerd-Schröder-Puppen-Verbrennungs-Party eingeladen. Damals hätte er fast das Schloß derer von Kompost abgefackelt. Sein Vater war von der Schröder-Verbrennung begeistert gewesen. Aus Solidarität hatte er zwei Stangen Dynamit in die Hose der Gerd Schröder-Puppe geschmuggelt. Er wolle sich nicht lumpen lassen, wenn sein Sohn endlich seinen konservativen Verstand wiedergefunden habe, hatte er seiner Frau erklärt. Aber, nicht nur die Gerd Schröder-Puppe hatte es auf dem Scheiterhaufen in Fetzen gerissen, auch der halbe Schlossgarten war zerstört worden. Der von Kompost-Coach hatte die sehr gute und kreative Verarbeitung gelobt. Er hatte danach das Seminar: „Konfliktverarbeitung nach der „Voodoo-Dynamit-Methode“, in sein Programmheft aufgenommen.

Als Schröder und Putin im Juni 2026 ihre Mätzchen mit Besuch in Moskau und Audienz bei Putin wiederholten, hatte der alte Baron seinen Sohn angerufen und erklärt, dieses Mal müsse er seine Schröder-Wut anders bewältigen. Zwei Mal werde die lokale Polizei ihm nicht glauben, dass im Schwarzen Speckgürtel Münsters untergetauchte RAF-Terroristen einen Anschlag auf ihn ausgeführt hätten. Auch die Versicherung sei damals zögerlich beim Finanztransfer des Geldes für den Überfall gewesen.

Für von Kompost war die Schröder-Reise im Juni 2026 nach Moskau ein Déjà-vu gewesen. Im Juni 2026 hatte es fast dieselbe Dramaturgie wie im Juli 2022 gegeben. Schröder machte wieder Urlaub in Moskau, wieder traf Rainer Munz ihn im Hotel Kempinski und Schröder erklärter wiederum, er mache in Moskau Urlaub. Dann trafen sich zwei Tage später der russische Präsident Wladimir Putin und der Altkanzler Gerd Schröder im Kreml zum vertraulichen vier-Augen-Gespräch. Wieder lobte Putin seinen Lobbyisten Gerd Schröder als Staatsmann und konnte wiederum nicht verstehen, warum der Westen Gerd Schröder als Vermittler und Verhandlungsführer nicht akzeptieren wollte. Der Westen lehnte wieder mal Schröder als Verhandlungsführer strikt ab. Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, das Angebot reihe sich in eine Serie von Scheinangeboten ein und sei Teil der bekannten hybriden Kriegsstrategie Russlands. Innerhalb der SPD rissen wieder einige versprengte Genossen die Friedensfaust hoch und erklärten, jeder Vermittler müsse als Chance gesehen werden.

„Das hört sich wieder mal nach großer Gerd Schröder-Show an“, hatte von Kompost im Juni 2026 seinem Team bei Radio Gülle erklärt und wütend auf den Tisch gehauen. „So ein blöder Gockel“, hatte von Kompost am dritten Schröder-Tag in Moskau im Auto gebrüllt und auf das Lenkrad geschlagen. Und genau da war ihm die Gockel-Idee gekommen. Seinem Team hatte er erklärt, die Aktion des morgigen Morgen Magazins von Radio Gülle, dem „Frühen Hahnenschrei“ heiße „Gerd Schröder im Hahnenschrei“.  Gerd Schröder sei Teil einer neuen Quiz-Serie mit dem Titel: Am Gockel-Klang den Politiker erkennen.

Im „Frühen Hahnenschrei“ hatte von Kompost tags drauf verkündigt, Gerd Schröder werde im Hahnenschrei das Geheimnis seiner Reise nach Moskau lüften und von seinem Treffen mit Putin erzählen. Schröder werde die Erklärung aus Gründen der Geheimhaltung, exklusiv für den Hahnenschrei, krähen. Eine Hahnenschrei KI namens Kikeriki werde Schröders telefonisch geführtes Interview in der Hahnensprache verschlüsseln. Der Zuhörer, dem es gelinge, aus dem Gockel-Geschrei Schröders einen ganzen Satz richtig zu übersetzten, winke ein schöner Nachmittag auf dem Gestüt „Hengstparade“ im Speckgürtel. Nach einer guten Tasse Kaffee werde dann mit ganzer Mannes- oder Frauenkraft der Pferdestall ausgemistet. Man werde dabei von Radio Gülle Mitarbeitern begleitet werden.

Außerdem werde es einen Quiz gebe. Zu gewinnen sei der Schröder Hahnenschrei-Beitrag. Der Gewinner könne entscheiden, ob man den Schröder-Beitrag, der dann im Hühner-Gacker-Code dekodiert sei, sofort löschen solle oder ob man ihm das codiere Hühner-Gackern zusenden solle. Der Gewinner des Quiz hatte folgende Fragen bei Radio Gülle richtig zu beantworten. Es hatte geheißen, Gerd Schröder sei 17 Jahre beim russischen Energie Konzern Gazprom oder seiner Tochter Gesellschaft Nord Stream beschäftigt gewesen. Er habe dort Schätzung Dritter, 6 bis 10 Millionen Euro verdient. Schröders Gesamtvermögen wurde bereits im Jahre 2022 auf 20 Millionen Euro geschätzt, so eine Berechnung des Senders N-TV. Die erste Quiz-Frage sei, wie viel Nullen hinter der 20 Schröder auf dem Konto habe. Die zweite Quiz-Frage laute, wie lange ein Deutscher mit einem Durchschnitts-Einkommen von rund sechzigtausend Euro im Jahr arbeiten müsse, um 6 Millionen Euro zu erzielen.

Im Team hatte von Kompost erklärt, dass seien hundert Jahre. Er sei sich sicher, dass es auch am frühen Morgen einige ausgeschlafene Bauern im schwarzen Speckgürtel gebe. Der Gewinner müsse die Antwort richtig krähen und in den nächsten zehn Minuten im Sender anrufen, sonst werde der Gast-Beitrag von Gerd Schröder im Kräh-Code gelöscht. Tatsächlich hatte es keinen Quiz-Gewinner gegeben. Niemand schien an Morgen der Sendung am Gewinn interessiert gewesen zu sein. Von Kompost hatte seinem Vater klärt, sein Zorn auf Schröder sei ein wenig verraucht. Sein Vater hatte erklärt, er vermisse bei dieser Lösung ein wenig die Schlagkraft, den Kawums. Aber es müsse nicht immer Dynamit im Spiel sein, um mit Gerd Schröder fertig zu werden.