Satire: Ist Pispers ein Küchen-Imperialist?
Auszug aus der Satire-Serie: Volker Pispers
Donald Duck Pispers
In der Moon-News-Redaktion zog man inzwischen die Augenbrauen hoch, wenn von Volker Pispers die Rede war. Die Frage stand im Raum, ob Pispers weiterhin unter Mars-Beobachtung stehen solle, wegen seiner politischen Kontakte und Wünsche. Oder ob man die Mars-Beobachtung seiner Worte, Gedanken und Gefühle aufgeben solle, weil er nur ein Bühnen-Rentner sei, mit verschnupftem Ego und bestenfalls ein Küchen-Imperialist im Liebestaumel.
Pispers saß derweil in der Zentrale der Pispers-Ruhm-Verwaltung; nämlich zu Hause in der Küche seiner Frau Rabara. Die nannte ihn seit einiger Zeit „Donald“. Was der Scheiss solle, hatte er sie angezischt. Er habe Nichts gemein mit dem US-Imperialisten Donald Trump. Er erinnerte sie an Donald Duck hatte sie gekichert. Der habe in ihren Kinder-Comics immer in seinem Tresor gesessen und seine Gold-Taler gezählt. Er säße in der Küche und verwaltete seine inzwischen historischen Videos, das seien seine Gold-Taler.
Das sehe sie verkehrt, hatte Pispers erklärt. Im Kapitalismus wechselten im Staat die Figuren, wie in einem Kasperle Theater. Aber das sei egal. Im Kapitalismus sei egal, wer dem Kapital wann diene. Das Geld regiere die Welt. Egal, ob die Pappnasen-Kasperl Kohl, Schröder, Merkel oder Scholz hießen. Alle seien Marionetten des Kapitalismus und tanzten nach dessen Pfeife. Und darum hätten seine Videos, auch wenn sie älter seien, mehr als einen historischen Wert. Diese Videos hätten Bibel-Qualität. Die Bibel sei das meist gedruckteste Buch der Welt. Seine Videos seinen digitale Bibel-Worte. Er sei damit so etwas wie ein Messias aus Düsseldorf-Oberkassel. Diese heiligen Videos hätten darum im Haus-Tresor, dem Kühlschrank in der Küche, ihren Platz gefunden und Käse und Wurst verdrängt. Die habe er auf die Fensterbank vor der Küche gestapelt. Das sei auch ein kühler Ort. Jesus habe seine Jünger gehabt, die mitgeholfen hätten, seine Worte in die Welt der Heiden zu tragen. Er habe im Internet auch seine Jünger, die im Netz seine Videos verbreiteten. Er, als studierter Theologe wisse, wie sich aus einer Untergrund-Kirche das mächtigste und reichste Glaubens-Unternehmen der Welt entwickelt habe. Dazu brauche man eine Botschaft, Jünger und Rituale. Wichtig seien zum Beispiel richtig coole Klamotten. In der Kirche trage man je nach Jahreszeit und Anlass verschiedenfarbige Gewänder. Er zelebriere seine Botschaften in Rabaras Küchen-Katakombe bislang in einer weißen Schürze. Er könne sich für den Frühling aber auch eine grüne Schürze vorstellen, für den Sommer vielleicht eine blaue und für Herbst und Winter eine graue Schürze. Das mache seine Erscheinung farbenfroher. Er wolle sich vom tristen Dauerschwarz trennen.
Die Mars-Sicht auf den Globus Erde
Auf dem Mars hatten die Moon-News Redakteure gegähnt. Das höre sich nach einem kleinen Narzissten an, einem Künstler eben, bei dem die Welt um seinen Bauchnabel kreise. Für den Mars werde ein solche Psycho-Gestalt interessant, wenn sie wie Donald Trump, nach Geld und Ruhm lechze und drohte mit ihrem Machtwahn den Globus Erde zu sprengen, so die Moon-News. Die Erde sei für die Marsmenschen nämlich ein potentielles Fluchtland. Bislang sei der Marsmensch-Tourismus zur Erde schwach. Für viele aber auf dem Mars sei die Erde aber so etwas wie ein Paradies und im Notfall eine denkbare Zuflucht. Ein Narzisst sei in diesem Planspiel dann wichtig, wenn er in Kombination mit anderen Narzissten, Teil einer Machtbewegung sei, welche die Marsmensch-Träume vom Exodus auf die Erd gefährde. Die Erde sei zurzeit in Gefahr zu verdorren, wie auf dem Mars geschehen, sich selbst zu vergiften oder sich in die Luft zu sprengen. Hier spiele ein Politik-Rowdy aus Russland namens Putin und seine Freunde eine gefährliche Rolle.
Russland: die Heimat des Pispers-Glaubens?
Gerade als die Moon-News-Redakteure die Observation von Pispers abschalten wollten, hatte sein Gehirn sich mit dem Namen Putin beschäftigt und die Moon-News-Computer hatten Alarm geschlagen. Dann hatte Pispers seine erste Küchen-Predigt gehalten und sich damit wieder voll für die Mars-Fahndung nach Erden-Bedrohern qualifiziert. Er hatte der schleudernden Waschmaschine und dem rumpelndem Geschirrspül-Automaten erklärt, das Heimatland der Proletarier, die natürliche Heimat jedes Anti-Imperialisten, sei und bleibe Russland. Aus Gründen der Tarnung gebärde sich Russland heute autoritär und kapitalistisch. Die Tarnung sei perfekt. Putin und seinen Freunden gehöre dort fast alles. Wer das thematisiere, gebe sich als westlicher Imperialist zu erkennen und müsse spezialbehandelt werden. So, wie eben jener Navalny-Wicht, der vor kurzem in Sibirien seinen letzten Seufzer getan habe. Der habe einfach nicht verstehen wollen, dass die Zeit des humanistischen Kampfes von Lenin gegen den Imperialismus nicht von lausigen Rechtsanwälten, sondern von Geheim-Agenten geführt werden müsse. Im Rahmen des Anti-Imperialismus führe man einen Krieg gegen das faschistische Nachbarland Ukraine, einen US-Büttel. Hier sei sogar der Einsatz von Atomwaffen denkbar, wenn die US-kapitalistische Regierung es so wolle.
Pispers hatte der Waschmaschine einen Fußtritt verpasst und sie angebrüllt, das mit dem Putin-Faschismus sei alles nur Fassade und dazu eine Gute. Der Anti-Impi-Krieg gehe weiter. Und ein jeder kämpfe an seinem Platz. Sein Kampfplatz sei zurzeit in der Küche von Rabara. Und er sei nicht allein. Seine revolutionären Videos mit Missionscharakter und Sahras Wagenknechts Schönheit seien eine Revolutions-Mischung ungeheuren Ausmaßes. Seit er sie 2014 gesehen habe, sei er schockverliebt. Der Revolution stehe noch Sahras Ehemann, der Oskar, im Wege. Aber mit Putins anti-imperialistischer Hilfe ginge hier vielleicht was.
Die Moon-News nennt Pispers einen Küchen-Imperialisten
Die Moon-News Redakteure hatten sich an den Kopf gefasst. Sie hatten beschlossen, die Abteilung Psychologie einzuschalten. Dort solle eine Paar-Analyse herausfinden, ob eine Paarung Volker und Sahra möglich und zu befürchten sei. Oder ob es ausreiche, Ehefrau Rabara ein Video ihres „Volker Kämpfers in der Küche“ zuzuspielen, um ihn kalt zu stellen. Außerdem sei nicht klar, ob man Pispers nicht bei einer Bühnen- Probe überrascht habe. Vielleicht plane er sein Comeback zum Kabarett. Er müsse auf jeden Fall weiter beobachtet werden, war beschlossen worden. Er war auf dem Mars in die Kategorie Küchen-Imperialist eingestuft worden.