Satire: Theo Tresemann schickt seinen Rechtsanwalt in die Wüste und erprobt den Hungerstreik
Ausschnitt aus dem Satire-Block: Neues aus dem nahen und fernen schwarzen Speckgürtel
Im Knast in Münster hatte Theo Tresemann viel Zeit gehabt, über sich und sein Leben nachzudenken. Zurzeit interessierte ihn hauptsächlich, wann er sich wieder um seine geliebten Hecken kümmern konnte. Manchmal träumte er nachts davon, Herzen in seine Hecken zu schneiden. Dann wieder träumte er davon, statt der Herzen Karos in die Hecke zu schneiden. Sein Anwalt hatte ihm geschrieben, wenn er auf schuldenunfähig plädieren wolle, sei seine Erklärung, heckophil zu sein, eine gute Strategie. Vielleicht lande er damit aber auch in der Psychiatrie. Wenn er wegen Mordes verurteilt werde, wofür einiges spräche, komme er bei Schuldunfähigkeit in die Forensik. Einfach ausgedrückt, sei das ein Knast für Bekloppte. Er möge ihm mitteilen, ob er das mit heckophil ernst meine. Tresemann hatte seinem Anwalt am Telefon erklärt, der sei entlassen und stehe nun ganz oben auf der Abschussliste der Hecken Schützen, er solle schon mal sein Testament machen. Zwei Tage später hatte Tresemann einen Brief vom Staatsanwalt erhalten. Die Anklage gegen ihn werde erweitert um die Anklage wegen der Morddrohung gegen seinen Rechtsanwalt. Tresemann hatte getobt und erklärt, er trete nun bis heute Abend in den Hunger Streik. Dann gebe es Bratkartoffeln mit Würstchen, da könne er nicht widerstehen und unterbreche seinen Hungerstreik.
Er musste aus dem Knast raus, soviel stand für ihn fest. Er hatte an seine Hecken Schützen geschrieben, er betrachte den Knast als Ehrenhaft und sich als politischen Gefangenen. Ihm waren auch gleich ein paar politische Gefangene eingefallen, wie Nelson Mandela oder Napoleon. Die beiden waren in Haft gewesen und waren dann wieder freigekommen. Tresemann hatte schnell festgestellt, dass die beiden Haft-Kollegen völlig verschieden waren. Beide hatten, im Unterschied zum ihm, eine politische Gruppe hinter sich gehabt und waren der Welt zur Zeit ihrer Haft bekannt gewesen. Er hatte im Fernsehen gehört, wie einige Demonstranten gerufen hatten, „Free Nelson Mandela“. Er hatte in seiner Zelle ein paar Mal gerufen, „Free Theo Tresemann“. Das hatte ihm gutgetan.
muss sein
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