Satire: „Rhomas, der Viertel vor Zwölfte“, Kaiser aus Kocholt

Der Bürgermeister von Kocholt hatte einen wunderschönen Traum gehabt. Merzi und Linni hatten ihn gebeten, Kaiser von Deutschland zu werden. Beide hatten verlegen vor ihm gestanden. Mit gesenkten Augen hatten sie ihn gefragt, ob sie sein Modell „die heile Stadt Kocholt“ kopieren dürften. Und ob er bereit sei, die Oberaufsicht für ganz Deutschland zu übernehmen. Allerorten sei zu hören, es sei Viertel vor Zwölf, es müsse was geschehen. Darum solle sein zukünftiger Titel lauten: „Rhomas, der Viertel vor Zwölfte“. Er habe die schmissige Halb-Intelligenz des letzten deutschen Kaisers Wilhelm Zwo und dessen unbeirrbare und schlichte Arroganz. Und auch von der Statur her sei er nur Mittelmaß. Der Deutsche habe eine Schwäche für solche Figuren. Er sei ihr Mann für das national erneuerte Deutschland. Ein Hermelin-Pelz und eine Krone stünden bereit. Schlösser gebe es viele im Münsterland, wie ihm das Schloss Anholt gefalle, das sei ganz in der Nähe. Das Schloss mache was her, es sei bereits Kulisse einiger Fernseh-Serien gewesen. Der Bürgermeister hatte unruhig im Bett gestrampelt und seine Frau hatte ihn vor der Seite milde angestupst. „Ruhe“, hatte sie ein wenig genervt gemurmelt.